Sagen aus der Region Hall-Wattens

Unsere Feste und Bräuche stimmen uns auf die bevorstehende kalte und dunkle Zeit ein. Die Nacht zum 1. November bedeutete bei den Kelten die Grenze zum Winter und damit zur dunklen Jahreszeit. Das keltische Fest Samhain wurde in der christlichen Zeit zu Allerheiligen. Aus dieser Kultur haben wir gewisse Bräuche übernommen, wie zB, den Verstorbenen kleine Gaben auf die Gräber zu stellen, um sie gnädig zu stimmen. Feuer wurden entzündet, um Geister und böse Gestalten fern zu halten. Es kommt daher nicht von ungefähr, wenn wir uns gerne zurückziehen, und bei gemütlichem Kerzenschein in der Literatur versinken. Passend dazu möchte ich euch heute dazu einladen, in die Welt der Sagen und Legenden einzutauchen. In dem Buch “Geheimnisvolles Hall” hat die Autorin Christine Zucchelli alle möglichen Sagen aus der Region Hall-Wattens zusammen getragen. Im Buch finden sich nicht nur Sagen aus Hall, sondern aus allen 10 umliegenden Dörfern. Die bekanntesten Sagen sind ohne Zweifel “Der Bettelwurfgeist” sowie die Legende um den “Glungezer Riese”. Zweitere ist eng verbunden mit unserem Kraftort Schwarzbrunn und kann dort nachgelesen werden.

Der Bettelwurfgeist

Der wohl bekannteste und markanteste Berg im Karwendelgebirge ist der Bettelwurf. Liebevoll wird er als Hausberg der Haller bezeichnet. Woher der Name stammt, ist bis dato nicht geklärt. Jedoch könnte uns die Sage vom Bettelwurfgeist diesbezüglich Aufschluss geben. Die Sage haben wir neben einigen anderen auf unserer Homepage unter der Rubrik Sagen und Geschichten aus der Region Hall-Wattens aufgenommen und kann dort nachgelesen werden. Bei einer Wanderung ins Halltal begegnet uns bei den Herrenhäusern die Gestalt des Bettelwurfgeistes – künstlerisch dargestellt von Karl Obleitner.

Sagen aus Absam und Thaur

Auch die beiden Dörfer Absam und Thaur haben in punkto Sagen einiges zu bieten. Spannende Geschichten ranken sich um den heiligen Einsiedler Romedius sowie und das Thaurer Schloss. Und in Absam ist es natürlich das Absamer Gnadenbild, welches die Phantasie der Bevölkerung angeregt hat. Der bekannte Wallfahrtsort ist seit jeher bei Pilgern beliebt. Die Sage “Die Wallfahrt der Kröte” erzählt über eine seltsame Besucherin in der Marienbasilika:

Eine Bäuerin aus Bayern, welche dicht an der tirolischen Grenze wohnte, verlobte sich nach der Wallfahrtskirche zur Muttergottes in Absam. Sie kam aber niemals dazu, das Gelöbnis einzulösen. Dafür ist es aber der Bäuerin übel ergangen, denn als sie gestorben war, musste sie den Weg zur Kirche nach Absam in Gestalt einer Kröte machen und hatte dabei viel zu leiden. Ein Bauer am Weg wollte sie erschlagen, ein anderer sie zertreten, ein dritter schleuderte sie über einen hohen Felsen und der Mesner von Absam ließ sie nicht in die Kirche hinein. Zweimal schleuderte er sie zur Vorkirche hinaus, bevor es ihr schließlich doch gelang, zum Gnadenbilde zu kommen. Dort faltete die Kröte die vorderen Beinchen wie zum Gebete, betete andächtig und flog dann als lichter Streifen zum Fenster hinaus, worüber die Leute in der Kirche nicht wenig staunten. So ist also die arme Seele erlöst worden.

Sagen aus Wattens und Wattenberg

Aufgrund der Abgeschiedenheit und imposanten Bergwelt sind viele Sagen über Plätze in der Wattener Lizum entstanden. Gerade der Mölssee gilt als besonders sagenumwoben. Man konnte sich nie wirklich erklären, weshalb sich in dieser extremen Höhenlage Fische im See tummeln. Was es damit auf sich hat, erfährt man ausführlich auf der Seite zum Kraftort Mölssee.

Die Wattentaler Kasermandln sind bekannte Sagengestalten aus der Region. Wenn im Herbst die Senner zu Tal fahren, glaubte man, dass die Kasermandln von den Jöchern heruntersteigen. Kasermandln sind eigentlich Geister und überall dort zu finden, wo es eine Alm, Aste oder Hütte gibt. Im Wattental nannte man die Geister wegen ihres zwergenhaften Wuchses auch “Nörggalen”, meistens aber “Putzen”, “Pützeln” oder “Mandln”. Noch Mitte des 20. Jahrhunderts wusste man im Wattental vieles von diesen Almgeistern zu erzählen. Die Kasermandln sind eigentlich unerlöste Seelen von Sennern und Hirten. Einige von ihnen waren gut und hilfreich, andere hingegen boshaft und gefährlich. Bekannt sind folgende Sagen: “Die Martinspützeln” (weil sie gerne am 11.November, dem Martinstag auftauchten!), “Die mutige Magd und das Mandl von der Wazalm”, “Von den Korethgeistern”, “Das Kasermandl von Oberwalchen”, “Almgeister auf der Hochlizum”.

Sagen aus Baumkirchen

In jeder unserer elf Gemeinden finden sich wirklich spannende und teilweise auch witzige Sagen. Dass aber gerade der kleine Ort Baumkirchen mit einer Sage über einen Pfarrstreit aufwartet, fand ich besonders interessant und soll deshalb dem Leser nicht vorenthalten werden:

Als der Seelsorger der Pfarrgemeinde Baumkirchen, Mils und Fritzens noch seinen Wohnsitz in Baumkirchen hatte, lebten im Schloss Wohlgemutsheim die Edlen von Baumkirchen. Sie waren recht raue Herren und schreckten auch vor Gewalttätigkeiten gegen den Pfarrer nicht zurück. Als schließlich einer der Adeligen von Baumkirchen einen Pfarrer hinter dem Altar ermordet hatte, verlegte die Pfarre den Wohnsitz der Geistlichen nach Mils.

Man muss wissen, dass im frühen Mittelalter Baumkirchen, Fritzens und Mils in einer Pfarrgemeinde verbunden waren. Weil der Pfarrer seinen Wohnsitz nach Mils verlegte, entbrannte ein fürchterlicher Streit zwischen Baumkirchen und Mils. Dieser beschäftigte sowohl kirchliche, als auch weltliche Instanzen. Trotz der tragischen Geschichte, schafften es die beiden Gemeinden nicht, ihre 150 Jahre währende Auseinandersetzung beizulegen. Schlussendlich wurden sie 1602 in selbständige Seelsorgegemeinden getrennt.

Ich wünsche allen schöne Stunden beim Lesen und Schmökern in den Sagen, Märchen, Legenden und Mythen rund um die Region Hall-Wattens.