Interview mit dem Künstler Wolfgang Baldauf

Der 35-jährige gebürtige Haller Künstler Wolfgang Baldauf kommt ursprünglich aus der Mode- und Produktfotografie und hat 2012 ins künstlerische Metier gewechselt. Seine Leidenschaft gilt der analogen Fototechnik. Hierbei werden Bilder von der Kamera auf andere Materialien wie Papier oder Glas projiziert und haftbar gemacht. Klingt einfach, ist es aber nicht. Erst nach etwa zweijähriger Tüftelei und Experimentiererei gelang es dem Künstler, dank spezieller Techniken, Skulpturen auf Holz zu projizieren.

Jedes Endprodukt ist ein Unikat und mittlerweile ist auch die Nachfrage nach so einem speziellen Holzkunstwerk gestiegen. Dennoch lautet seine Devise: Von jedem Negativ gibt es nur ein Werk bzw. eine Skulptur.

In einem persönlichen Gespräch konnte ich mehr über den Künstler und seine Arbeit erfahren.

Wie entstehen deine Kunstwerke?

„Zuerst zeichne ich eine Linie, die aus einer inneren Gefühlsregung heraus entsteht. Langsam entwickelt sich die Zeichnung und am Ende habe ich eine Skulptur mit speziellen, ja schon fast unnatürlichen Verrenkungen und spiralförmigen Körpern geschaffen. Da bestimmte Posen in Natura nicht möglich sind, kam mir die Idee der besonderen Drehung, diese ist dann immer spontan und intuitiv“, so Wolfgang. Hier wird deutlich, wie sich der Künstler von seinen Gefühlen leiten lässt und diese auf seine Werke überträgt.

Kannst du mir bitte deine Arbeitsschritte kurz erklären?

Zuerst wird eine Skulptur aus verschiedenen Materialien geschaffen. Danach wird die Skulptur mit einer analogen Kamera fotografiert und der Film gleich entwickelt. Das ausgewählte Holz wird so bearbeitet, dass es für die analoge Entwicklung bereit ist, d.h. das Holz wird mit einer lichtempfindlichen fotosensitiven Schicht bearbeitet. Im Dunkelraum wird das Trägermaterial ausbelichtet und entwickelt. Fertig ist das Kunstwerk!

Welches Material verwendest du am liebsten?

Ganz eindeutig Holz. Maserung und Farbton sind entscheidend bei der Holzauswahl. So ist die Fichte sehr hell, gelblich bis weiß, die Kiefer hingegen hat einen rot-gelblichen Ton und die Zirbe ist meistens hellbraun.

Das Holz gibt durch seine natürliche Maserung dem Kunstwerk seine Form. Wir sprechen hier von einer linearen Kunst. Das verwendete Holz besitzt keine Kanten, daher passen die weiblichen Formen der Frau auch besser für Skulpturen. Und die weiblichen Züge gefallen dem Künstler eindeutig besser.

Mittlerweile bist du in Hall eine bekannte Persönlichkeit und durftest die Neujahrsentschuldigungskarte 2020 gestalten. Wie kam es dazu?

Ich war natürlich sehr stolz und geehrt, als das Komitee des „Lambichler Sozialfonds“ (gegr. 2016 durch die Marianische Kongregation Hall) letztes Jahr an mich herangetreten ist und mich beauftragt hatte, die Neujahrsentschuldigungskarte für 2020 zu gestalten. Genau genommen handelt es sich um 200 Holztafeln, die ich ausbelichtet und entwickelt habe. Zu sehen ist ein Ausschnitt vom Langen Graben mit Blick auf den Münzerturm. Ich war von dem karitativen Zweck sehr angetan und es war somit eine Win-Win-Situation für beide Parteien. Im Sommer 2019 habe ich mit meiner Arbeit begonnen und im November waren 200 Stück der Holztafeln fertig.

In welche Richtung wird deine nächste Reise gehen?

„Eigentlich weiß man das doch nie“, meint Wolfgang und lacht. Er wird jedenfalls der Fotografie treu bleiben und an seiner Technik herumfeilen bzw. versuchen, sie zu verfeinern. Außerdem möchte er gerne Hybridwesen kreieren, d.h. seine Technik auf Beton oder Flusssteinen aus dem Inn ausprobieren. Denn sein Motto lautet: „Ein Künstler darf nie ruhen!“ Daher wird laut dem Künstler meistens ganz spontan entschieden. So dürfen wir gespannt sein, was die Zukunft für Wolfgang Baldauf noch Spannendes bereithält.

Hast du einen Ausgleich zum stressigen Künstlerdasein?

Wieder lacht er und meint, dass sein Schaffen keine Arbeit sei. Vielmehr ist es Leidenschaft, Besessenheit und ein innerer Drang, etwas vollenden zu wollen. In seiner Freizeit ist er ambitionierter Bassist in verschiedenen Jazzbands. Seit circa 20 Jahren macht er gemeinsam mit seiner Schwester Petra Musik. Ihr aktuelles Projekt heißt Sassophonic, ein Elektronikprojekt mit tanzbarer Jazzmusik. Ihre Videos produzieren sie selbst. Neugierig auf Wolfgangs und Petras Musik?

Wo kann man deine Kunst bewundern?

Am Freitag, den 06. März um 19:00 beginnt unsere 3-wöchige Vernissage der Haller ARTgenossen im Goldenen Engel in Hall. Wir freuen uns auf zahlreiche Besucher!

Lieber Wolfgang, ich bin überzeugt, dass die Ausstellung ein toller Erfolg sein wird. Danke für deinen Besuch und das überaus anregende Gespräch.

Anbei die Termine der Ausstellung im Goldenen Engl:

Samstag, 07.03.2020 von 16:00 bis 21:00 Uhr

Sonntag, 08.03.2020 von 16:00 bis 21:00 Uhr

Freitag, 13.03.2020 von 16:00 bis 21:00 Uhr

Samstag, 14.03.2020 von 16:00 bis 21:00 mit Führung von Eva Willburger um 17:00 Uhr

Sonntag, 15.03.2020 von 16:00 bis 21:00 Uhr

Freitag, 20.03.2020 von 16:00 bis 21:00 Uhr

Samstag, 21.03.2020 von 16:00 bis 21:00 Uhr

Finissage am Sonntag, 22.03.20 ab 16:00 Uhr

Noch mehr Informationen zu Wolfgang Baldauf gibt es auf seiner Facebook-Seite.

Wie das barocke Jesuskind dem modernen 3D-Scanner begegnete

Der Hintergrund zu dieser kreativen Idee

Das Krippenwesen hat in Tirol Tradition. Mit Stolz präsentieren die Gemeinden in den jeweiligen Pfarrkirchen ihre Schätze. Die ersten nachweisbaren Krippen wurden im Jahr 1608 aufgestellt. Zu ihnen gehört auch jene aus der Gemeinde Tulfes in der Region Hall-Wattens. Sie befand sich ursprünglich in der Spitalskirche Innsbruck und wurde 1786 an die Kirche Tulfes verkauft. Die Barockkrippe enthält neben den zum Teil in Samt und Seide bekleideten Figuren ein äußerst wertvolles Jesuskind.

Nicht nur in religiöser Hinsicht steht das Tulfer Christkind heuer im Mittelpunkt, sondern auch aufgrund des Projekts „Tiroler Design-Krippe | Barock trifft High-Tech“. Das Kindlein ist der Fokus der futuristischen Hightech-Krippe, die teilweise aus einem 3D-Drucker gemacht wurde. Die Initiative dazu stammt von der Firma WESTCAM aus Mils bei Hall in Tirol.

WESTCAM vereint Krippenkunst aus dem Frühbarock mit den modernsten Technologien von heute. Und dies alles für einen guten Zweck. Zugunsten der ORF-Aktion „Licht ins Dunkel”, werden 2 Stück dieser Krippen versteigert. Es handelt sich um Unikate im Wert von etwa € 6.000. Hinzu kommt eine Holzkiste, welche passend zur Region in Zirbenholz gehalten ist. Die Krippenfiguren sind in edlen Säckchen aus weinrotem Samt verpackt und auf Natur-Leinen-Kissen gebettet.

Die Firma WESTCAM designt für “Licht ins Dunkel”

Die Firma WESTCAM besteht seit 1990 und versteht sich als das führendes Systemhaus für technische Software. Seit 2015 wird mit dem neuen Unternehmensbereich des 3D-Printings ein noch stärkerer Fokus auf diese zukunftsträchtige Technologie gesetzt.

Ganz bewusst verzichtet WESTCAM dieses Jahr auf Weihnachtsgeschenke für deren Kunden. Stattdessen investiert die Firma ihr Know-How und Geld in die Kreation einer Design-Krippe für einen karitativen Zweck im Rahmen von Licht ins Dunkel:

  • Die Krippe “Barock trifft High-Tech” wird ab der 1. Dezemberwoche im ORF Landesstudio Tirol in Innsbruck als wertvolles Kunst-Exponat ausgestellt sein und kann danach online oder live ersteigert werden.
  • Eine zweite Krippe wird am 22.12.2019 ab 20:15 Uhr in der Live-Auktionsgala ORF III – Kultur und Information vom Wiener Dompfarrer Anton Faber gesegnet und anschließend live versteigert.

Abgerundet wird das soziales Engagement von WESTCAM zugunsten des Licht ins Dunkel Soforthilfe-Fonds beim Ö3 Weihnachtswunder 2019!

Wie eine Krippe aus einem 3D-Drucker entsteht

Irgendwie fast unwirklich, dass eine Krippe aus dem Drucker kommt. Die moderne Krippe im Polygon-Style wird vom Wiener Designer Daniel Zeisner im Auftrag von WESTCAM kreiert. Dazu entwirft er verschiedene Designvorschläge, aus denen die Firma schlussendlich eine Auswahl trifft. Maria, Josef und die Futterkrippe sind moderne, aus Aluminium gefräste Skulpturen. Auch der Boden ist eine Fräsarbeit, wurde jedoch mit Gold überzogen. Der Stern hingegen ist ein 3D-Druck aus Aluminium. Das Jesuskind stellt die Besonderheit und den Gegenpol zur modernen Krippe dar. Das über 400 Jahre alte Kindlein aus Tulfes wurde vor Ort mittels optischer 3D-Messtechnik eingescannt. Die aus dem Scan gewonnenen 3D-Daten bildeten die Basis für die Re-Produktion mit einem industriellen 3D-Drucker. Das dafür verwendete Material ist Bronze.

Der Scan und das Jesuskind

Einige werden sich nun fragen, ob denn ein Scan-Vorgang für das frühbarocke und wertvolle Kindlein unbedenklich ist. Manuel Veider (Leitung Dienstleistungen 3D-Messtechnik bei WESTCAM) beruhigt uns:

“Der 3D-Scan-Vorgang wird von WESTCAM mit einem optischen High-End Messsystem der Firma GOM durchgeführt. In der Industrie werden diese Messsysteme zur hochgenauen Geometrieprüfung von Komponenten verwendet. Die Systeme von GOM sind sehr vielseitig einsetzbar, wie man an diesem Beispiel schön sehen kann. Die Digitalisierung des Christkindes erfolgt berührungslos mittels Streifenlichtprojektion – diese Technologie ist mit der Funktionsweise eines Beamers vergleichbar. Um keinerlei Beschädigungen am frühbarocken Christkind zu verursachen wurde hier bewusst auf Laser-Technologie verzichtet. Die Technologie der Streifenlichtprojektion ist für beliebige Oberflächen verwendbar und hat keinerlei negative Auswirkungen auf das jeweilige Scan-Objekt. Das blaue Licht garantiert uns zusätzlich höchste Datenqualität zur Weiterverarbeitung.”

In der Bildreihe sowie im Video könnt ihr die Entstehung dieser einzigartigen Weihnachtskrippe nachverfolgen!

 

 

Als Tourismusverband freut es uns ausgesprochen, dass sich unsere Firmen in der Region Hall-Wattens auf kreative und besondere Weise für soziale Projekte einsetzen. Ein großes Lob an die Firma WESTCAM aus Mils bei Hall!

Wir wünschen uns, dass die beiden „Design-Krippen | Barock trifft High-Tech“ einen hohen Versteigerungswert erzielen und bedanken uns beim Team der Firma WESTCAM für das tolle Engagement.

Ein Kulturprogramm mit 16 Stationen

Haller Nightseeing

Jährlich findet am Vorabend des Österreichischen Nationalfeiertages das Haller Nightseeing statt. Ein Fixtermin bei vielen Einheimischen und das aus gutem Grund. Man entdeckt bei dem Kulturprogramm der besonderen Art interessante und bis dato unbekannte Schätze, welche einem ansonsten verborgen bleiben. Das heurige Nightseeing am 25. Oktober 2019 findet bereits zum 14. Mal statt. Ein Kulturprogramm mit 16 Stationen, von Kultur bis hin zur Geschichte der größten Altstadt Westösterreichs kann hautnah erleben werden. Neben spannenden Führungen und Inszenierungen, halten auch Geschäfte und gastronomische Betriebe ihre Pforten bis Mitternacht geöffnet.

Preview im Vorfeld

Das Stadtmarketing Hall und der Tourismusverband Region Hall-Wattens laden InhaberInnen und MitarbeiterInnen der Haller Geschäfte jedes Jahr zu einem Preview ein. An diesem Abend bekommt die Kaufmannschaft einen Vorgeschmack auf ausgewählte historische Programmpunkte. Am Tag des Nightseeings selbst, haben sie keine Zeit da sie die Besucher in ihren schmucken Läden empfangen. Heuer wurden zwei ganz besondere Highlights präsentiert. Zum einen die Sonderausstellung der numismatischen Gesellschaft in der Haller Münze zum Thema “Kaiser Maximilian I. – Die Münzen eines Medienkaisers” und zum anderen die Johanneskirche im ehemaligen Salinenareal. Die Kirche ist per se ein barockes Juwel der Stadt, welches seit der kürzlich abgeschlossenen Restaurierung in neuem Glanz erstrahlt.

Johanneskirche Hall – Ein barockes Juwel erstrahlt in neuem Glanz

Vor allem von der Präsentation und Führung in der Kirche war ich überwältigt. Stadtführerin Anita Töchterle-Graber und Restaurator Michael Schretthauser berichteten spannend und im Detail über Baugeschichte und Bildprogramm der qualitätsvollen Fresken von Josef Adam Mölk. Die Ausführungen und bildreichen Erklärung der Arbeiten an Deckenmalerei, Raumschale und Altar erweckten die aufwendige Restaurierung zum Leben.

Wie man ein Fresko restauriert, was dabei zu beachten ist, und was ein Fresko ganz grundsätzlich ist, erklärte Michael Schretthauser anschaulich anhand von seinen Utensilien. Interessant war auch das von ihm selbst nachgestellten Fresko. Anhand der Skizzen und Zeichnungen konnte man nachvollziehen wie viel Arbeit und Zeit der Künstler damals in die heutigen Kunstwerke investiert hatte.

Wer erfahren möchte, weshalb die Johanneskirche früher als “Pfannhauskapelle” bezeichnet wurde und warum Johannes Nepomuk mit seiner abgeschnittenen Zunge in der Hand abgebildet ist, sollte unbedingt an dieser Führung teilnehmen:

Treffpunkt: Johanneskirche, Salinenpark (vis-à-vis Tourismusbüro, Unterer Stadtplatz 19)
Führungen: 17:00 Uhr, 18:00 Uhr und 19:00 Uhr – Dauer: ca. 45 Min.

Interessant ist auch der Umstand, dass die Ausstattung der Kirche mit ihren barocken Fresken eng mit gegenreformatorischen Bestrebungen des Kaiserhauses verbunden war. Für die damalige Zeit und vor allem in der Salzstadt Hall war dies ein entscheidender Punkt. Heute steht die Johanniskirche den Katholiken der evangelischen beziehungsweise der altkatolischen Glaubensgemeinscht zur Verfügung. Von Taufen über Hochzeiten bis hin zu Begräbnissen wurden schon dort zelebriert. Das prunkvolle barocke Juwel soll im komenden Jahr auch teilweise der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Mehr dazu direkt bei den Führungen!

Die Münzen eines Medienkaisers

Nicht nur in der Johanneskirche gab es für mich einiges zu entdecken. Im Anschluss an die Ausführugen der Stadtführerin sowie des Restaurators der Kirche, ging es für die geladene Gesellschaft weiter in das Museum Münze Hall. Dort findet noch bis Mitte Jänner die Sonderausstellung der numismatischen Gesellschaft zum Thema “Kaiser Maximilian I. – Die Münzen eines Medienkaisers” statt. Mehr sei noch nicht verraten!

Das Kulturprogramm 2019

Gleich 16 Stationen laden dieses Jahr beim Nightseeing dazu ein, Kultur und Geschichte der Stadt Hall bei Nacht zu entdecken. Alle Programmpunkte sind kostenlos, keine Anmeldung notwendig.

Schaut vorbei beim Haller Nightseeing und lasst euch begeistern von Halls Geschichte und Geschichten, Besonderheiten und Kuriositäten!

Der Naturpark Karwendel stellt sich vor

Der größte Naturpark Österreichs

Der Naturpark Karwendel umfasst beinahe das gesamte Karwendelmassiv und ist mit einer Fläche von 727 km² der größte Naturpark Österreichs. Als selbständiger Gebirgsstock wird das Karwendel im Süden durch das Inntal zwischen Zirl und Jenbach begrenzt. Im Westen bildet das Seefelder Plateau, im Norden die Isar und im Osten der Achensee die naturräumliche Begrenzung des Karwendels. Eine große Artenvielfalt an Pflanzen und Tieren findet sich im Karwendel wieder. Aufgrund der klimatischen und topografischen Gegebenheiten verfügt das Karwendel über einen überdurchschnittlich hohen Anteil an natürlichen Lebensräumen wie Urwäldern sowie Wildflüssen und beherbergt eine sehr hohe Artenvielfalt. 1305 Pflanzenarten und 3300 Tierarten wurden bisher nachgewiesen und jedes Jahr kommen neue hinzu.

AlmenREICH

Neben den schroffen Gebirgsstöcken und Wildflüssen zählen die 101 Almen zu den landschaftsprägenden Elementen im Naturpark Karwendel. Darunter ist auch die Walderalm bei Gnadenwald. Im gesamten Gebiet verbringen rund 7000 Rinder ihren Sommer auf einer Alm im Karwendel. Um die traditionelle Almwirtschaft zu erhalten, unterstützt der Naturpark die Bewirtschafter beim Erhalt von traditionellen und typischen Almgebäuden, beim Rücksichtnehmen auf Moore, Feuchtflächen und spezielle Wiesentypen.

WaldREICH

Ca. 50% des Karwendels sind bewaldet. Trotz der Präsenz des Menschen und seiner Nutzungen konnte sich das Karwendel bis heute eine Fülle von naturkundlich interessanten Waldgesellschaften bewahren. Die Palette reicht von den sehr trockenheitsliebenden Wäldern entlang der Martinswand, über klassische Fichten- Tannen- Buchenwäldern im Halltal, Eibenbestände im Vomperloch bis hin zu Spirkenvorkommen  im Hinterautal. Der Naturpark hat eine reiche Spechtfauna von europäischer Bedeutung. Gemeinsam mit den Waldbesitzern bemüht sich der Naturpark Karwendel, die Ansprüche dieser Vogelarten im Waldbau zu berücksichtigen. Darüber hinaus wurden bisher 11 Naturwaldreservate mit ca. 512 ha eingerichtet, wo auf jegliche forstliche Nutzung verzichtet wird.

WasserREICH

Das Karwendel ist reich an Quellen und Wasser: über 350 Quellen speisen das Wasserreich. Aufgrund des geringen Verkarstungsgrades und der langen Verweildauer im Berg von 8 bis 15 Jahren besitzt das Karwendelwasser eine ausgezeichnete Qualität. 10% der Quellen dienen der Trinkwasserversorgung der Karwendelregion. Der Wasserstollen im Halltal versorgt die umliegenden Gemeinden mit frischen Wasser jeden Tag, Zwischen 250 und 450 Liter bestes Trinkwasser fließen pro Sekunden aus dem Stollen aus. Zuvor ist es rund zehn Jahr durch den Fels gesickert und gereinigt worden.

TIPP: Das WasserREICH hautnah erleben mit einer Wanderung zum Fallbach

Für all’ jene, die nach der Arbeit oder einem anstrengenden Tag der Hektik des Alltags entfliehen wollen, bietet sich die Wanderung zum Wasserfall “Fallbach” in Gnadenwald an. Am Parkplatz zum Eingang des Halltals stellt man das Auto ab. Dem Besinnungsweg nach Gnadenwald wandert man gemütlich entlang, bis man auf Höhe der Bogner Aste sich links halten muss. Zwischen den Bäumen geht es leicht bergauf – die kleine Anstrengung wird mit einem mystischen Platz und dem Wasserfall belohnt.

Das Halltal – ein Tal mit Geschichte

Das Karwendel besitzt zudem eine 130-jährige alpintouristische Geschichte. Jährlich besuchen rund 1,1 Mio. Menschen den Naturpark. Alm- und Forstwirtschaft sowie die Jagd prägen das Gebiet seit Jahrhunderten und sind ein wichtiger Bestandteil des Naturparks Karwendel. Schon Kaiser Maximilian I. kam zur Jagd ins Halltal. Bei thematischen Führungen wird “Die Jagd zur Zeit Maximilian I – Weidmanns Heil” sowie der Solewanderweg Interessierten die Geschichte von damals näher gebracht.

Wandertouren im Halltal

Im Naturpark Karwendel gibt es unzählige Wanderungen und Bergtouren. Egal ob Spaziergänger, Wanderer, Familien, Bergsteiger, Kletterer, Klettersteiggeher oder Gipfelstürmer, der Alpenpark ist ein wahres Paradies. Die Natur und Landschaft spielen zu jeder Jahreszeit alle Facetten. Sei es im Frühling, wenn die Natur Tag für Tag wieder zu Leben erwacht oder im Herbst, wenn sich die Wälder bunteinfärben und sich die Tierwelt auf einen langen Winter einstellt.

Der Tourismusverband der Region Hall-Wattens bietet im Sommer sowie im Winter jeden Freitag eine geführte, naturkundliche Wanderung ins Halltal an.

TIPP: Das Team Karwendel ist immer auf der Suche nach Menschen, die gerne einen aktiven Beitrag zum Naturschutz leisten wollen. Zahlreiche Gelegenheiten werden geboten, um bei den unterschiedlichsten Projekten mitzuarbeiten.

Neugierig geworden? Der Naturpark Karwendel freut sich auf euren Besuch.

Nachts im Museum

Museen in der Region Hall-Wattens

Von Larven über Münzen bis hin zu funkelnden Kristallen. Die Museen von Absam bis Wattens haben so einigen kostbaren Schatz zu bieten. Nicht nur für die Kleinen, sondern auch für die großen Entdecker sind sie immer wieder einen Besuch wert. Ein Streifzug durch die verschiedensten Museen startet jetzt.

Absamer Matschgerer Museum

Die Matschgerer der sogenannten MARTHA-Dörfer (Mühlau, Arzl, Rum, Thaur und Absam) blicken auf eine jahrhundertlange Tradition zurück. Den Brauchtum rund um die Fasnacht nehmen sich die Absamer streng zu Herzen. Nicht nur während des traditionellen Treibens, sondern auch unter dem Jahr kann man die prächtigen Larven besichtigen. Die Absamer Matschgerer  können auf ihr Museum besonders stolz sein. An die 200 Larven und Gewänder aller Matschgerer Figuren sind dort ausgestellt. Über 200 Jahre alt sind die ältesten Larven des Vereins. Kein Wunder, dass UNESCO den lebendige Brauchtum gewürdigt hat.

TIPP: Beim traditionellen Fasnachtsumzug können die Larven und das bunte Treiben hautnah erlebt werden. Am Sonntag, den 16. Februar 2020 findet in Mils bei Hall in Tirol der nächste Umzug statt!

Bergbaumuseum Hall in Tirol

Das Bergbaumuseum gibt einen Einblick in die Geschichte der Salzgewinnung. Die Nachbildung des 1967 stillgelegten Bergwerks im Halltal, Stollen, Schächte, Werkzeuge, Mineralien, eine Rutschbahn und vieles mehr erwarten Besucher direkt in der Haller Altstadt. Das Museum vermittelt einem das Gefühl, selbst “unter Tag” zu sein. Eine Führung durch das Bergbaumuseum ist ein Erlebnis für Alt und Jung.

Museum Wattens

Spannende Einblicke in die Vergangenheit gewährt das Museum Wattens. Was ist Heimat? Ist Wattens Heimat? Was macht den Ort aus? Das Museum sammelt Geschichten und erzählt die Geschichte der Marktgemeinde im Inntal. Einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der Gemeinde hat die Ansiedelung der berühmten Swarovski Werke und der Swarovski Kristallwelten beigetragen.

Burg Hasegg / Münze Hall

Das Museum der Münze Hall ist die Wiege des Talers und des heutigen Dollars. Man spürt einer Vergangenheit nach, in der Reichtum bare Münze bedeutete und Geld noch einen magischen Glanz hatte. Vor der Münze Hall gibt es zudem ein besonderes Highlight: Der historische Wasserradantrieb, der im Inneren der Münze Hall so manches Geheimnis Preis gibt. Im Areal der Burg Hasegg / Münze Hall befindet sich zudem auch die Stadtarchäologie der Stadt Hall in Tirol. In den Räumlichkeiten bekommt man einen Einblick sowie eine Einführung in das mittelalterliche Leben in der Haller Altstadt.

ORF – Lange Nacht der Museum am 05. Oktober 2019

Natürlich war das noch lange nicht alles! Gesamt gibt es in der Region Hall-Wattens zehn Museen, die darauf warten, erkundet zu werden.

Neugiergig geworden? Viel mehr zu sehen und zu entdecken, gibt es im Rahmen der ORF – Langen Nacht der Museen am kommenden Samstag, 05. Oktober 2019! Unter dem Motto MAX GOES HALL können Besucher von 18:00 Uhr bis 01:00 Uhr früh Geschichte in der Region Hall-Wattens hautnah erleben. Ein Erlebnis für die ganze Familie!

Viel Spaß beim Geschichtsunterricht mal anders!

 

 

40 Jahre Theaterverein Thaur

Die erste Theaterspielgruppe in Thaur

Durchforstet man das Tiroler Landesarchiv, findet man Plakate von Theateraufführungen in Thaur aus dem 18. Jahrhundert. Die Spielstätten waren früher meist alte Bauerntennen, die vor allem mit Besuchern aus Innsbruck und Hall gut besucht waren. Besonders beliebt waren Ritter- und Musikstücke, die zum Besten gegeben wurden. Erst in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts traute man sich an Singspiele wie “Im weißen Rößl” oder “Der Vogelhändler” heran. In der Festschrift des Theatervereins Thaur wird erwähnt, dass um diese Zeit die erste Theaterspielgruppe Thaur gegründet wurde. Auf der Bühne im Gasthaus Giner spielte die Gruppe einige Theateraufführungen, bis es zum Abbruch dieser kam. Nachdem es die Spielstätte im Gasthaus nicht mehr gab, war es auch mit dem Theaterspielen im Ort vorbei. Mit der Gründung des Theatervereins Thaur kam es erst viele Jahre später wieder zur Belebung dieser alten Tradtion.

Die Gründung des Theatervereins Thaur

Ing. Josef Giner hatte in den Zeiten der Theaterspielgruppe Thaur erste Bühnenerfahrung gesammelt. Sein Theaterfieber war ausschlaggebendes Motiv für die Gründung des Theatervereins Thaur. Die unermüdlichen Bestrebungen einen Verein zu gründen, schienen anfangs aussichtslos. Als sich die Gemeinde Thaur dazu entschloss, das alte Schul- beziehungsweise Gerichtsgebäude in ein Veranstaltungshaus umzubauen, konnte er sein Vorhaben in die Tat umsetzen. Am 31. Mai 1979 war es dann soweit und gesamt 13 Personen gründeten im Gasthof Stangl den Theaterverein Thaur.  Das erste Stück mit dem Titel “Warum-Darum” wurde im darauffolgenden Jahr aufgeführt. Heute ist er Ehrenobmann des Vereins und stets bemüht, jede Vorstellung zu einem besonderen Erlebnis zu machen.

Die Schlossruine Thaur als Spielstätte

Eigentliche Spielstätte ist das “Alte Gericht in Thaur”. Dennoch wurde mit den ersten “Jedermann-Rufen” die sogenannten “Thaurer Schlossspiele” ins Leben gerufen. Der Name kommt von der besonderen Spielstätte. Im Rythmus von zwei Jahren wird die Schlossruine oberhalb von Thaur zum Freilufttheater umgestaltet. Die Burgruine ist schon von weit unten sichtbar. Oben angekommen, bietet sich ein atemberaubender Blick auf die Region Hall-Wattens. Kein Wunder, dass das Schloss einst als Unterkunft für damalige Landesfürsten diente. Im Laufe der Zeit verlor die Anlage jedoch immer mehr an Bedeutung. Der Verfall machte vor der Ruine keinen Halt. Für die Thaurer jedoch war die Schlossruine schon immer ein magischer Ort. Auch der Theaterverein erkannte schnell, dass man diesen Ort besonders gut für Theateraufführungen nützen kann. Nach unzähligen Stunden harter Arbeit sowie der Installierung notwendiger Infrastruktur, wurde aus der Burgruine ein Freilufttheater. Die Schlossruine lockt seit jeher unzählige Kulturbegeisterte an. Gespielt wird im Innenraum, welcher sich ideal anbietet. Im vorderen Bereich ist die Bühne aufgebaut und dahinter ist Platz für 170 Theaterbesucher.

Wissenswert: Die Schlossruine Thaur ist einer von zehn Kraftorten der Region Hall-Wattens.

Die Auswahl der Stücke und der Schauspieler*innen

Die Auswahl der Stücke erfolgt sehr familiär. Jeder ist eingeladen, seine Vorschläge einzubringen. Nach vielen Sitzungen, Diskussionen und Überlegungen entscheidet schlussendlich der Ausschuss, welches Stück gespielt wird. Die Idee zum aktuellen Stück “Harold und Maude” kam von Rainer Bachor – liebevoll “Mastermind” genannt. Er hat das Stück nicht nur vorgeschlagen, sondern auch adaptiert. Seit dem Gründungsjahr gab es gesamt 84 Produktionen und 365 Vorstellungen. Ist das Stück einmal fixert, braucht es noch Schauspieler, Statisten und Helfer. Aufgrund der langlährigen Geschichte des Theatervereins in Thaur, gibt es einen großen Pool nicht nur an Schauspieler*innen. Auf der Spielerliste befinden sich gesamt 69 Namen. Das älteste Mitglied ist bereits 90 Jahre alt und immer noch aktiv am Geschehen beteiligt. Man muss nicht zwingend aus Thaur stammen, dennoch sind alle Mitwirkenden im aktuellen Stück aus ebendieser Ortschaft.

Geheimtipp: Wer schon immer mal Bühnenluft schnuppern wollte, hat nun die Gelegenheit. Der Theaterverein Thaur sucht immer nach Nachwuchs und Interessierten!

Harold und Maude – eine Komödie mit Trauerrand

Beim Besuch eines Freilufttheaters ist es immer gut, auf alle Wetterkapriolen gefasst zu sein. Dick eingepackt in warme Kleidung ging es am Montagabend auf die Ruine, wo uns der Vollmond schon entgegen lachte. Nach der vielen Recherche im Vorfeld, war ich gespannt auf die Kulisse und das Schauspiel an sich. Und als symbolisch der Vorhang fiel, vergingen die zwei Stunden Spielzeit wie im Flug. Immer wieder wurde die Bühne umgebaut und als Unterhaltung spielte ein Trommler für uns. Nicht nur hinter der Bühne kamen die Schauspieler*innen hervor, sondern auch durch den Mittelgang. Das Theaterspiel war zum Greifen nahe! Mein Respekt ging vor allem an alle Mitwirkenden. Trotz sternenklarer Nacht, war es für September doch recht kühl. Nicht nur auf der Bühne, sondern auch nach der Aufführung war der Theaterverein zum Greifen nahe. Nach einer kurzen Unterhaltung mit Regisseur sowie Obman war klar: alle Mitglieder sind mit Herzblut bei der Sache und nur so kann Theatergeschichte geschrieben werden.

Nach der Saison ist vor der Saison

Auch wenn die Thaurer Schlossspiele heuer langsam zu Ende gehen, für den Theaterverein gibt es noch einiges zu tun. Die Vorbereitungen für das nächste Jahr sind schon im Gange. Erste Vorschläge und Ideen wurden schon eingebracht. So viel sei verraten: Märchenliebhaber könnten auf ihre Kosten kommen! Neben der Organisation von Ausflügen und Kulturveranstaltungen, ist der Verein auch sozial engagiert.

Mehr Informationen zum aktuellen Stück, sowie zum Theaterverein Thaur gibt es hier!

Kraftort: Marienbasilika in Absam

Das Gnadenbild

Es war der 17. Jänner 1797 als Rosina Bucher die Erscheinung der Mutter Maria an einer der Fensterscheiben in ihrer Stube erblickte. Versuche, das Frauenbildnis zu entfernen, waren vergebens. Es erschien immer wieder. Erst Tage später machte die Muttergotteserscheinung in den umliegenden Dörfern die Runde. Immer mehr Leute kamen nach Absam, um sich selbst ein Bild von diesem Wunder zu machen. Nicht einmal Unterlassungen seitens des Dekans konnten die Pilger daran hindern, sich das Gnadenbild anzusehen. Weder von offizieller, noch von staatlicher Seite wurde die wundersame Erscheinung anerkannt, dennoch entwickelte sich eine Eigendynamik, die bis heute nicht zu bremsen ist.

Die Wallfahrtskirche Absam wird zur Marienbasilika

Die Entstehung der Pfarrkirche St. Michael zur Marienbasilika in Absam geht weit über die Marienerscheinung hinaus. Aufgrund des Salzabbaus im Halltal wurde Absam als eingeständige Pfarre um 1280 ernannt. Als das Gnadenbild 750 Jahre später erschien, war es nur eine Frage der Zeit, bis die Absamer Kirche im Jahre 2000 einen außerordentlichen Status erhielt. Sie wurde als einzige Tiroler Kirche, die nicht in Verbindung zu einem Kloster oder Stift steht, zur Basilika erhoben. Damit wollte man der Tatsache, dass Absam der bedeutendste Marienwallfahrtsort Tirol ist, Rechnung tragen.

Marienplatz, Marienkapelle und Votivtafel-Kapelle

Die Marienbasilika ist aufgrund der Lage am Ortsende, mit einem schönen Blick auf Thaur und bis nach Innsbruck, ein idyllischer Wallfahrtsort. Der Kirchenvorhof war einst den Kriegsopfern beider Weltkriege gewidmet. 2010 wurde der Vorhof neu gestaltet: Jutta Katharina Kiechl zeichnete dafür 21 zart farbige Bilder, welche den Platz umrahmen. Absam ist und bleibt neben der Wallfahrt auch eine beliebte Hochzeitskirche.

Ein Schmuckstück ist die Votivtafel-Kapelle, welche sich gegenüber der Sakristei im östlichen Teil des Mesnerhauses befindet. Der einfache, saalartige Raum birgt einen barocken Altar mit Kreuzigungsgruppe und ein Fesko in Stuckrahmung. Neben den künstlerischen Malereien, befinden sich über 400 Votivtafeln in der Kapelle. Das sogenannte “Anliegen-Buch” erzählt von den vielfätligen Sorgen und Erhöhrungen der Gläubigen, welche zur Wallfahrt nach Absam kamen.

Jeweils am ersten Sonntag im Monat findet um 14.00 Uhr die Monatswallfahrt statt, beginnend mit dem Rosenkranzgebet und anschließender Krankensegnung.

Das Dorf Absam und seine Geschichte

Volkskultur, Geigenbau und gelebte Glaubenstradition prägen das malerische Tiroler Dorf Absam, welches am Fuße des Karwendels liegt. Die Ortschaft ist nicht nur ein beliebtes Ziel für Pilger und Wallfahrer, sondern auch für Sporgbegeisterte und Naturliebhaber. Das wildromantische Halltal lädt genauso zu ausgedehnten Entdeckungstouren ein, wie das Schutzgebiet „Naturpark Karwendel“, das auf mehr als 920 km² „Natur pur“ bietet. Der berühmte Geigenbauer Jakob Stainer (1617 bis 1683) lebte und arbeitete in Absam. Besonders ausgelassen geht es in der Faschingszeit zu, wenn die Absamer „Matschgerer“ unterwegs sind.

Mehr zur Marienbasilika und den Kraftorten in der Region Hall-Wattens gibt es via www.kraft-ort.at!

Spätsommerlicher Zirbenweg am Glungezer

Zugegeben ist der Zirbenweg am Glungezer von Frühling bis Herbst ein Erlebnis. Vor allem zur Almrosenblüte ist der Zirbenweg ausgesprochen beliebt und viel begangen. Aber ich muss sagen, dass die Natur am Zirbenweg jetzt im Spätsommer auch ihre ganz besonderen Reize zum Vorschein bringt. Die klare, zum Teil schon kühle Bergluft, hat das Inntal und das gegenüberliegende Karwendelmassiv in einem intensiven Licht erstrahlen lassen.

Auffahrt mit der Patscherkofelbahn

Vorweg muss erwähnt werden, dass wir die Wanderung mit dem Zirbenweg-Rundwanderticket gemacht haben. Dieses beinhaltet die beiden Bergbahnen Patscherkofel und Glungezer, sowie den Bus entweder von Tulfes nach Igls oder vice versa. Wir haben unsere Wanderung im Westen begonnen, sprich wir sind mit der Patscherkofelbahn hoch gefahren.

Oben angekommen, wurden wir sofort vom Geläut der Kuhglocken in Empfang genommen. Unterhalb der Patscherkofel-Bergstation befindet sich von der Universität Innsbruck der Alpengarten Patscherkofel und ist in jedem Fall ein Besuch wert! Der beschilderte Rundwanderweg im höchstgelegensten Botanischen Garten Österreichs, erzählt uns mehr über das sensible ökologische Gleichgewicht in den Alpen.

Erstes Drittel – bis zum Almgasthaus Boscheben

Die Landschaft auf dem Zirbenweg ist wirklich sehr unterschiedlich: Mal sind es weitläufige Heideböden, dann wieder Abschnitte durch dichten Wald oder Geröllfelder, welche (leicht) zu überqueren sind. Im ersten Drittel ist es vor allem die Heide mit ihren violet leuchtenden Erika-Pflanzen, die uns zur ersten kurzen Rast einlädt. Auf einer Aussichtsbank genießen die Kinder ihre Jause. Die Landschaft hat irgendwie sehr viel Ähnlichkeit mit der Natur im Norden Europas. Außerdem finden wir hier (und immer wieder im Laufe der Wanderung) unzählige Heidelbeeren. Wir halten kurz inne, und pflücken die wunderbaren Früchte.

Von Boscheben aus eröffnet sich uns ein Blick in Richtung Süden, nämlich ins einsame Viggartal und bis zu den ersten Südtiroler Gipfeln.

Zweites Drittel – bis zur ältesten Zirbe Tirols

Nicht umsonst ist der Zirbenweg am Glungezer einer von zehn Kraftorten in der Region Hall-Wattens, denn die Vielfältigkeit dieses Wanderweges ist einzigartig. Nach Boscheben geht es kurz durch einen Wald. Hier ist etwas Vorsicht geboten, da es rechts immer wieder steil abfällt. Danach kehrt das Nordpanorama wieder in unser Blickfeld zurück. Große Steine zum Drüberklettern und diverse Höhlen, bieten den Kindern immer wieder spannende Abwechslung.

Der Panoramaweg führt durch einen der größten und ältesten Zirbenbestände Europas. Einige Zirben sind zum Teil über 250 Jahre alt, die älteste Zirbe im „Ampasser Kessel“ sogar mehr als 750 Jahre. Ein aus Holz gestaltetes Fernrohr gibt uns Aufschluss über den Standort dieses Methusalem-Baumes.

Letztes Drittel – bis zur Tulfeinalm

Die Kinder werden schon langsam müde. 7 km sind für die kleinen Beine doch ganz schön anstrengend. Wie die Steinböcke klettern sie auf den großen Felsen herum, die zum Teil am und neben dem Weg liegen. Das ist natürlich doppelt anstrengend! Von der ältesten Zirbe Tirols bis zur Tulfeinalm sind es jetzt noch 3,5 km. Schon von weitem kann man die Alm erkennen. Und heute sogar hören, denn die Schlitterer Sänger versorgen die Gäste mit musikalischen Genüssen. Vorher passieren wir noch zwei Trinkbrunnen, die sich unterhalb der Tulfeinkapelle befinden.

Auf der Alm selbst, darf eine Einkehr natürlich nicht fehlen: Das Essen schmeckt herrlich. Wir – allen voran die Kinder – haben uns das redlich verdient.

Hinab ins Tal – die Nostalgiefahrt

Gestärkt wandern wir hoch zum Sessellift der Glungezerbahn. Dieses Nostalgiestück ist wirklich ein Erlebnis. Unser Rucksack wird mittels Haken auf den ersten Sessel gehängt. Die Kinder sitzen auf unserem Schoß und haben großen Spaß an der aussergewöhnlichen Liftfahrt.

Danach heißt es umsteigen, um mit der neuen Glungezer 10er-Gondelbahn ins Tal nach Tulfes zu gelangen.

Mit dem Bus (Zirbenweg-Rundwanderticket) geht es vom Parkplatz der Talstation Glungezer zurück zum Parkplatz nach Igls. Müde, aber glücklich endet unser Familienwandertag am Glungezer Zirbenweg.

Lamawanderung am Wattenberg

Die Anreise auf den Wattenberg – ein Erlebnis für sich

Gemeinsam mit einer israelischen Urlauberfamilie und meinen Kindern, besuchten wir vergangenen Samstag Hans Geisler und seine Lamas am Wattenberg. Schon von weit unten konnte man die lustigen Vierbeiner ausmachen, als sie über den Zaun ins Tal hinab blickten.

Herzlich begrüßte uns Hans auf seinem Hof. Neben den vier männlichen Lamas namens Shayen, Winny, Berlingo und Balu hat er noch fünf Lamastuten. Nicht nur Lamas, sondern auch einige Hühner sowie Milchkühe, welche den Sommer auf seiner Alm im Wattental verbringen, befinden sich am Oberfelderhof am Wattenberg.

Auf der dortigen Sennerei im Almdorf Melang wird übrigens der köstliche Wattener Almkäse hergestellt, den wir später noch verkosten durften.

Wir holen die Lamas

Gemeinsam mit den vier begeisterten Kindern holt Hans die Lamas aus ihrem Freilauf und richtet sie für unsere Wanderung her. Shayen und Berlingo bekommen einen Packsattel, Balu eine Art Sattel, auf welche wir unsere Rucksäcke hängen beziehungsweise einpacken dürfen. Hans erklärt uns ausführlich, weshalb Lamas zum einen gut für die Berge geeignet sind, und zum anderen auch hervorragende Lastenträger sind.

Lamas stammen ursprünglich aus dem Hochland der Anden. Sie wurden und werden dort noch heute als Tragtiere eingesetzt, da andere Packtiere und Fortbewegungsmittel in den Bergen Südamerikas undenkbar sind. Mit Leichtigkeit und Trittsicherheit bewegen sie sich in schwierigem Gelände, denn die Unterseite ihrer Füße besteht aus zwei lederartigen Kissen (Schwielensohlen). Es braucht keine Hufe oder Schuhe, um diese erstaunlich widerstandsfähigen Füße zu schützen. Lamas haben einen geringen Proteinbedarf und kommen deshalb auf extensiv bewirtschafteten Böden sehr gut zurecht. Es ist also ein Tier, das mit dem an Ort und Stelle gewachsenen Futter auskommt.

Die Wanderung geht los

In der großen Packtasche von Shayen verstaut Hans seine persönlichen Sachen. Danach starten wir unsere Tour. Die Kinder sind begeistert, denn sie können jetzt ganz allein diese gutmütigen und intelligenten Tiere führen und somit eine große Verantwortung übernehmen.

Der Kampf mit den fressenden Lamas

Zuerst geht es der Straße entlang Richtung Wald. Anfangs ist das Rudel (Kinder und Lamas) noch wenig harmonisch, was vor allem daran liegt, dass die Tiere ständig vom saftigen Grün am Wegesrand verführt werden. Hans erklärt uns, dass sie nicht regelmäßig frisches Gras zu fressen bekommen, da sie ansonsten zu dick werden würden. Immer wieder helfen wir den Kindern, um die lustigen Lamas zum Weitergehen zu animieren. An einem kleinen Brunnen erfrischen wir uns alle, bevor es weiter aufwärts geht.

Traumhafte Ausblicke

Unsere Gäste sind ganz begeistert vom Ausblick und der atemberaubenden Landschaft. Obwohl ich selbst schon oft am Wattenberg und Umgebung war, kann ich dies nur bestätigen. Der Blick auf das gegenüberliegende Karwendelgebirge und ins Inntal laden zum Innehalten ein. Es hat fast den Anschein, als würden selbst die Lamas die Stille und Aussicht genießen.

Die wohlverdiente Jause

An einer Lichtung im Wald legen wir eine Pause ein. Hans holt aus den Packtaschen eine wunderbare regionale Jause hervor: selbstgemachtes Brot und Käse sowie Hollundersirup, hauseigene Tomaten, Gurken und Eier, Wurst  – all dies liebevoll garniert mit essbaren Blüten.

Während der kurzen Rast taucht unweigerlich die Frage auf, ob Lamas denn spucken. Hans bejaht dies, und erklärt, dass das Spucken eine Ausdrucksform der Rangordnung innerhalb der Herde ist. Menschen spucken Lamas äußerst selten an. Dies tun sie nur dann, wenn sie extrem gereizt werden oder sich von Menschen bedroht fühlen.

Auf dem Rückweg durch den Wald

Nach der Stärkung wandern wir auf einem Forstweg weiter. Zum Ende hin geht dieser steil hinab und Hans bittet uns, den Kindern beim Führen zu helfen. Obwohl Lamas sehr rücksichtsvoll sind und gut auf die Kinder aufpassen, sind sie auf dem Rückweg doch sehr zügig unterwegs. Immer wieder treffen wir unterwegs auf Wanderer oder Radfahrer, die von unserer lustigen Gruppe begeistert sind.

Zum Abschluss eine Runde auf dem Lama

Bald sind wir wieder in der Nähe des Hofes angekommen. Die Kinder dürfen auf Balu noch eine kurze Runde reiten. Das macht allen unglaublich viel Spaß!

Danach verabschieden wir uns von Hans und seinen Lamas. Es war ein herrlicher Tag in der Natur, welcher dank dieser einzigartigen Tiere unvergesslich bleiben wird.

Wollt ihr mehr über Hans, seine Lamas und Touren erfahren, dann schaut auf seine Homepage unter Tyrollama.

Kraftort: Schwarzbrunn im Voldertal

Kraftorte der Region Hall-Wattens

Kraftorte sind besondere Orte: Spirituelle Stätten, Kulturdenkmäler und besondere Naturschauplätze in Berg und Tal. An diesen Orten lässt es sich innehalten, verweilen und neue Energie tanken. Sie inspirieren und erzählen Geschichten, von Vergangenem und Neuem, Vergänglichem und Ewig währendem.

Beim Wandern durch die Region Hall-Wattens trifft man an zehn verschiedensten Plätzen auf die Kennzeichnung “Kraftort Region Hall-Wattens”. Auf unserem Blog stellen wir euch diese zehn besonderen Plätze am Berg und im Tal vor. Den Anfang macht ein Naturschauplatz mit historischer Bedeutung: Schwarzbrunn im Voldertal.

Kraftort Schwarzbrunn im Voldertal

Schwarzbrunn im hintersten Voldertal ist unter den zehn Kraftorten der Region Hall-Wattens vermutlich der unbekannteste, aber einer der schönsten und einsamsten unter allen. Allein schon die Anreise ist spektakulär, denn das Voldertal bietet neben einer atemberaubenden Aussicht hinab ins Inntal auch zahlreiche wunderschöne Bauernhöfe, Almen und das Volderwildbad. Das Gebäude des Wildbads führt uns zurück in die Geschichte, als es dort noch einen Kurort gab.

Zur Geschichte von Schwarzbrunn

Im Jahre 1753 unternahmen drei Mitglieder der Innsbrucker Gelehrtenakademie einen Forschungsritt nach Schwarzbrunn. Neben der Untersuchung des “Gesund- oder Schwarzbrunnenwasser im Volderbad” war das eigentliche Ziel der Forschung die Untersuchung des erstmals im Voldertal bekannt gewordenen “Veilchensteins” sowie der “Brunnenkresse”. Die Kresse bei Schwarzbrunn sei vom ersten Frühjahr an bis in den rauhen Winter zu finden. Sie wurde gesammelt, geschnitten in Wasser gelegt und danach eine zeitlang gesotten, um sodann ihre Wirkung zu entfalten. Kein Wunder, dass dieser alten Heilpflanze viele positive Eigenschaften zugeschrieben werden wie Aphrodisiakum, Entschlackung von Leber, Lunge und Magen. Der Wasserstrahl des Schwarzbrunnens fließt nicht unmittelbar aus dem Boden, sondern aus schwarzer Kohlenmeilererde. Diese Besonderheit könnte Grund für die Namensgebeung “Schwarzbrunn” sein.

Hippolyt Guarinoni und das Volderwildbad

“Im Voldertal quillt ein Wasser, das schwefelsaure Erde enthält und gegen Rheuma, chronische Ausschläge, Leiden der Unterleibsorgane und Neurosen nicht selten hilfreich ist, wozu die angenehmen Umgebungen, die reine Luft, die Güte der Einrichtungen das ihrige beitragen.” (Auszug aus dem “Boten für Tirol und Vorarlberg” im Jahr 1830 zur Bewerbung des Volderwildbads)

Der Badbesuch wurde für alle möglichen und unmöglichen Leiden, an denen “alle Doktoren verzweifelt sind”, empfohlen. Der berühmte Haller Stiftsarzt Arzt Dr. Hippolytus Guarinoni hatte die Quelle untersucht und hatte darin Eisen, Salpeter, Vitriol, Schwefel und Alaun gefunden. Nicht nur ein wahrer Jungbrunnen, sondern auch Kriegswunden, wie aus dem Leib gezogene Flintenkugeln, konnte das Wasser heilen. Obwohl das Volderwildbad als typisches “Bauernbadl” zu bezeichnen ist, verbrachten auch Adel und angesehene Persönlichkeiten aus dem Großbürgertum dort ihren Kuraufenthalt. Heute befindet sich das Volderwildbad in Privatbesitz und wird für Veranstaltungen insbesondere für Hochzeiten genutzt. Ein durchaus magsicher und kraftvoller Ort, um den Bund des Lebens einzugehen.

Spannende Sagen und Geschichten

Es ranken sich unzählige Geschichten und Sagen rund um das Voldertal. Die Sage vom “Glungezer Riesen und Schwarzer Brunn” lässt erahnen, woher der Kraftort seinen Namen hat. Einst wohnte dort ein König mit vier wunderschönen Töchtern. Als ein Riese um die Hand einer seiner Töchter anhielt und kläglich abgewiesen wurde, übte der Riese Rache. Haushohe Felsblöcke welzte er vom Glungezer hinab auf den Palast, welcher schlußendlich in den Tiefen des Wildsees mit all seinen Bewohnern versank. Nachfolgende Steine füllten den See bis zur Gänze und was davon noch übrig blieb, nennt man heute den “Schwarzen Brunn”. Den Riese vom Glungezer überkamen nicht lange nach seiner grauenhaften Tat schreckliche Schuldgefühle, diesen ausgeliefert stürtzte er sich in die Tiefen des Sees, um sein brenndes Herz abzukühlen.

Das geheimnisvolle Volderwildtal

Das Voldertal stand in der Vergangenheit in enger Verbindung mit der Haller Saline und deren Waldämtern. Um 1543 wurden die Wälder des hinteren Voldertals von Vorberg bis Steinkasern von der Haller Saline für den eigenen Bedarf und für den der Münzstätte und der Glashütte in Hall in riesigen Kahlschlägen entholzt. Neben der Holztrift war seit Mitte des 16. Jahrhunderts im Voldertal schon früh die Holzkohlenerzeugung im Köhlereibetrieb ein wichtiger Erwerbszweig der dortigen Bauern. Bis ins 19. Jahrhundert benötigten die Metall verarbeitenden Betriebe und die Salinen zur Feuerung Holzkohle in großen Mengen. Neben der Holztrift und den Kohlebetrieben kam noch ein weiterer Wirtschaftszweig im Voldertal hinzu, nämlich die Mühlen. Der Bereich des Volderwildbad bis hinunter zur Au war das alte “Mühlviertel”. Dort standen bis in die ersten Jahrzehnte unseres Jahrhunderts fünf Bauernmühlen: Badmühle, Traxlmühle, Lumper- oder Heißlmühle, Guggenbichler- oder Hauswurzmühle und Auermühle.

Intensive Almwirtschaft einst und heute

Dass im Voldertal so viele Almen anzutreffen sind, hat vor allem einen wichtigen geschichtlichen Aspekt: die Hochweideflächen und deren Bauten sind seit jeher ein bedeutender Teil unseres Kulturlandschaft und sind in mühevoller Arbeit von den Bergbauern errichtet worden. Obwohl noch heute viele Almen und Wirtschaftsgebäude im Voldertal anzutreffen sind, sind trotzdem einige dem Verfall preisgegeben. Westlich des Voldertalbaches, gab es allein im Gebiet rund um die Stalsinsalm und Steinkasernalm früher insgesamt 31 Bauten aus der Weidewirtschaft und dem Bergbau. Oberhalb der Stalsinsalm auf knapp 2.000 m Höhe erkennt man heute noch sehr gut den verfallenen Oberleger der Alm, denn die Trockenmauern beim Eingangsbereich sind noch gut erhalten.

Alle Kraftorte der Region findet ihr unter: www.kraft-ort.at