Yoga zwischen Schwalben und alten Burggemäuern

Im Sommerwochenprogramm (Mai-Oktober) findet jeden Dienstag um 08.00 Uhr die Yoga Aktivstunde im Hofratsgarten hinter der Burg Hasegg statt. Heute stellen wir euch eine unserer Yogalehrerinnen vor, nämlich Claudia Walgenbach. Neben diversen Yoga- und Fitnesskursen arbeitet Claudia als Buchhalterin. Bei all den Zahlen in ihrem Kopf, ist für sie ihr zweites Standbein der richtige Ausgleich. Während der Corona-Krise hat sie aus der Not heraus einen Youtube-Kanal begonnen. Dort bietet sie interessante Videos zum Thema Yoga, Pilates, Entspannung und Ernährung an. Ihr Leben teilt sie mit ihrem Ehemann und zwei Hunden.

Claudia, kannst du uns Yoga kurz beschreiben?

Gerade Männer glauben ja, dass Yoga ein reiner Frauensport ist. Obwohl, wenn ich es recht überlege, sind bei unseren Aktivstunden immer nur weibliche Teilnehmer 😊. Ein guter Grund, dies zu ändern.

Eigentlich kann jeder Weg zur Selbsterkenntnis als Yoga bezeichnet werden. Ursprünglich war Yoga ein rein spiritueller Weg. Es ist eine aus Indien stammende philosophische Lehre, die eine Reihe geistiger und körperlicher Übungen bzw. Praktiken beinhaltet.

Insgesamt gibt es vier große Yogaarten bzw. Yoga-Wege, nämlich:

  • Jnana Yoga: Yoga des Wissens, die Schriften und Veden studieren
  • Raja-Yoga: Yoga der Geisteskontrolle (Meditation)
  • Bhakti-Yoga: Yoga der Hingabe, der Öffnung des Herzens
  • Karma-Yoga: Yoga der uneigennützigen Tat und selbstlosen Dienens/Handelns ohne Erwartungen

Vielen ist vor allem das Hatha und das Kundalini Yoga ein Begriff. Dies sind jedoch Yogastile und beinhalten vor allem Asanas, um den Geist für die Meditation wieder ruhig werden zu lassen. Asanas entstanden erst im Laufe der Zeit. Ihr vorrangiges Ziel ist, den Körper so zu kräftigen und zu mobilisieren, dass er möglichst beschwerdefrei über einen längeren Zeitraum im Meditationssitz (Lotossitz) verweilen kann. Mit der Zeit erkannte man immer mehr die positive Wirkung der körperlichen Übungen auf das gesamte Wohlbefinden des Menschen. Die Asanas wurden weiterentwickelt, und die körperliche Betätigung im Yoga bekommt in unserer Zeit einen immer höheren Stellenwert. Yoga kann also durchaus für Leistungssportler die ideale Kombination zu ihrem Training sein. Um auch im hohen Alter gelenkig und gesund zu sein, betrifft Frauen gleichermaßen wie Männer. Yoga ist also ein Sport für alle. Man muss einfach eine Yogarichtung finden, die zu einem passt.

Die im deutschsprachigen Raum verbreitetsten Yoga Stile sind: Sivananda, Kundalini, Iyengar, Ashtanga, Power-Yoga, Anusara, Bikram, Vinyasa, Sivamukti, Yin-Yoga, Yoga Nidra, Hormonyoga, Lachyoga

Ich praktiziere: Anusara und Power-Yoga, Yin Yoga, Hormonyoga sowie Lachyoga.

War Yoga schon immer Teil deines Lebens oder wie bist du dazu gekommen?

Ich bin zutiefst davon überzeugt, das Yoga findet dich! So war es auch bei mir: Yoga gibt dir eine andere Sicht auf die Dinge und das Leben! In unserer westlichen Kultur herrscht ein sehr oberflächlicher Lebensstil. Wir definieren uns über Statussymbole bzw. Leistung in Beruf, Schule etc. Yoga hingegen gibt dir eine Verbindung zwischen Körper, Geist und Seele. Es ermöglicht dir eine völlig neue Sichtweise. Durch die richtige Ernährung sowie Bewegung, kann man Dinge richtig vernetzen. Der Geist (Spirit) wird durch Meditation und Lesen der Schriften genährt. Du erinnerst (besinnst) dich wieder, dass es etwas Höheres auf dieser Welt gibt. Egal, wie man es bezeichnen mag – als Wesen, Universum oder als Gott – diese Macht ist bei uns.

Ich wollte aus dem Alltagstrott ausbrechen, wusste aber nicht, wie mir das gelingen konnte. Da habe ich Yoga für mich entdeckt und ausprobiert. Mein Leben hat sich um 180° gedreht! Ich kann mein Leben viel aktiver gestalten, wahrnehmen und spüren. Meine Handlungen sind bewusster, die Augen werden dir geöffnet und die Sichtweise auf viele Dinge verändert sich zum positiven.

Praktizierst du Yoga auch viel in der Natur? Wenn ja, gibt es besondere Plätze in der Region Hall-Wattens, wo du gerne deine Matte ausrollst.

Ich befinde mich in der glücklichen Lage und kann Yoga an den verschiedensten Kraftplätzen in Tirol praktizieren. Am liebsten übe ich Yoga am Glungezer Zirbenweg. Gleich in der Früh, noch bevor die ersten Wanderer mit der Gondel heraufkommen, bin ich bereits eingetaucht, in die Intensität meiner Yogapraktiken. Der Duft der Zirbe und der Ausblick ins Inntal machen daraus ein noch intensiveres Erlebnis. Und wenn ich zufällig im Frühjahr dort unterwegs bin, geben mir die rosaroten Teppiche an blühenden Almrosen noch mehr Aufschwung.

Hingegen bin ich auf der anderen Talseite ganz fasziniert vom kleinen Dörfchen Gnadenwald. Neben der Walderalm finden sich dort immer wieder besondere Plätze, an denen ich einfach im Vorbeigehen Yoga praktiziere. Ganz spontan und ohne Matte. Ich spüre, dass die Energie passt und der Platz seine Harmonie mit mir teilt.

Ein Highlight ist das Yoga im Rahmen des Wochenprogramms jeden Dienstag im Haller Hofratsgarten. Fernab des Stadtgeschehens und doch direkt am Puls der Zeit, spürt man auf der Wiese zwischen den alten Gemäuern eine besondere Aura. Wenn dann noch pünktlich zum Start des Sommerprogramms die Schwalben ihren Einzug halten, dann weiß ich: es ist Zeit, gemeinsam mit den Gästen und Einheimischen der Region Hall-Wattens die Matte auszurollen.

Unser Sommerwochenprogramm findet noch bis Ende Oktober statt. Nach einem Monat Pause im November starten wir am 1. Dezember 2020 mit unserem Winterwochenprogramm.