Der größte Kraftort von allen ist er, der mächtigste. Auch der respekteinflößendste. Ein steinerner Koloss, über 2700 Meter hoch. Einer der mächtigsten Gipfel des Karwendels, und einer der schönsten –…

Der größte Kraftort von allen ist er, der mächtigste. Auch der respekteinflößendste. Ein steinerner Koloss, über 2700 Meter hoch. Einer der mächtigsten Gipfel des Karwendels, und einer der schönsten – Der sagenumwobene Bettelwurf.

Seine Schönheit wurde sogar preisgekrönt: Anlässlich seines 150 – Jahr – Jubiläums kürte der Sportausstatter Mammut weltweit die 150 schönsten Gipfel, zu denen auch der Bettelwurf gehört, neben Berg-Ikonen wie dem Großglockner oder dem Wilden Kaiser.

Nicht, dass der Bettelwurf auf Schönheitswettbewerbe zählen würde: Zu erhaben, zu großartig ist eine Mächtigkeit. Stets auch ein wenig geheimnisumwittert. Da passt auch die Sage vom Bettelwurfgeist, die sich in der Karwendelregion seit Jahrhunderten erzählt wird, perfekt dazu.

Die Sage vom Bettelwurfgeist

Der Legende nach zogen vor vielen hundert Jahren Nonnen in das Klostergebäude zu St. Magdalena. Sie waren jedoch nicht alle fromm und gütig. Da kam eines Tages ein armer Salzbergarbeiter zur Klosterpforte und bat um ein Almosen für seine hungrige Kinderschar. Missmutig reichte ihm die Pförtnerin ein Stück steinhartes Brot. Den Mann packte ein wilder Zorn und er schrie: „Diesen Bettel könnt ihr selber fressen, ihr Geizkragen!“ Und mit einem kräftigen Wurf schleuderte er das Brot gegen die Felswand. Brot ist aber – ob hart oder weich – eine Gottesgabe, mit der man sorgsam umgehen muss.

Entsetzt über die Tat rief die Nonne: „Das musst du büßen. Du wirst im Grab nicht Ruhe finden. Rastlos wird dein Geist in diesem Tal herumirren müssen.“ Und so kam es auch. Der Mann ward seither niemals wieder gesehen. Unsichtbar geistert er in den Felswänden des Halltals hin und her. Im Winter tritt er Staublawinen los, im Sommer löst er Muren vom brüchigen Gestein. An warmen Föhntagen kann man sein Heulen und Toben aus den Klüften der Felsen hören.

Aber auch der Geiz der Nonne wurde bestraft. Ein Erdbeben im Jahre 1670 beschädigte das Klostergebäude schwer, knapp zwanzig Jahre später wurde es durch ein weiteres Erdbeben vollends zerstört. Den schroffen, steilen Felsen, gegen den der Salzbergarbeiter das harte Brot, den „Bettel“, geworfen hatte, nannten die Leute fortan „Bettelwurf“.

Hinauf auf den Bettelwurf

Auch abseits von Sagen und Legenden ist der Bettelwurf ein besonderer Ort, dessen Kraft man bei jedem Schritt spürt. Verschiedene, allesamt anspruchsvolle Bergwege und ein Klettersteig führen auf den Gipfel. Wer sich vom Trinkwasserstollen im Halltal auf den Weg macht, ist etwa vier Stunden unterwegs, für die anderen Aufstiegsrouten benötigt man mehr Zeit. 

Gut, dass es auf dem Weg einen besonderen Rastplatz gibt: Die Bettelwurfhütte auf 2077 Metern Seehöhe. Sie wurde bereits 1894 erbaut und ist somit die älteste Hütte im Karwendel. Ihr Inneres ist urig und gemütlich, und die Wirtsleute sind immer für einen Plausch zu haben. Auch übernachten kann man hier vorzüglich.

Von der Hütte aus sind es dann noch etwa eineinhalb Stunden, die einen vom Gipfelkreuz trennen. Und wenn man dann dort oben steht, in luftiger Höhe, den Blick weit ins Inntal und bis nach Bayern gerichtet, spürt man: Dies ist ein Kraftort in seiner reinsten Form.

Nina

Nina

Nina ist Sommer wie Winter am liebsten in der freien Natur unterwegs, liebt gutes Essen und ist im TVB Region Hall-Wattens für PR und Marketing zuständig.