Haller Gassen erzählen ihre Geschichten

Die Stadt Hall in Tirol liegt östlich von Innsbruck und gehört flächenmäßig zu einer der  größten mittelalterlichen Städte Westösterreichs. Die Stadt liegt am Rande eines Schuttkegels, den der Bach aus dem Halltal aufgeschüttet hat. Dies erklärt auch die auffallend steile Geländestufe des historischen Zentrums. Die Stadtentstehung hängt eng mit dem mittelalterlichen Salzbau im Halltal zusammen. Der Name „Hall“ – vom althochdeutschen Wort „hal“ (Salz) weist auf die einstige Salzgewinnung hin und erinnert heute noch an den einst wichtigen Erwerbszweig für den Wohlstand der Stadt.

Die Straßen- und Gassennamen einer Stadt verraten viel über deren einstige Bedeutung.

So ist es auch in Hall: Wenn man durch die alten Gassen schlendert, kommen einem zum Teil recht sonderbare Namen unter. Sie erzählen so manche Geschichten.

1 SALVATORGASSE

Diese Gasse gehört zum ältesten Siedlungskern der Stadt und wurde erst vor ca. hundert Jahren umbenannt. Der ursprüngliche Name „Marktgasse“ war bis 1770 Hauptdurchzugsstraße. Viele Wirtshäuser reihten sich damals aneinander. Das Haus Nr. 14 war das Ballhaus, in dem die Warenballen der Händler eingelagert wurden, um dann Fuhrwerke neu zu beladen. Die nordseitigen Häuser der Gasse reichen bis an die Geländestufe, über Stiegen erreicht man den Pfarrplatz.

2 SCHMIEDGASSE

Diese Gasse ist nach der alten Zunft benannt. Ebenso wie die Salvatorgasse gehört auch die Schmiedgasse zum ältesten Siedlungsgebiet der Stadt. Hier lag eine Schmiede neben der anderen. Für den Durchzugsverkehr waren Hufe neu zu beschlagen oder zum Beispiel auch Räder zu reparieren. In der Schmiedgasse scheint die Zeit stehen geblieben zu sein: Zwischen Häusern mit Erkern, alten Türen und Toren ist immer noch ein bisschen „Mittelalter“ zu spüren.

3 WALDAUFSTRASSE

Der heutige Name Waldaufstrasse geht auf Ritter Florian Waldauf zurück. Er war ein enger Vertrauter und Berater Kaiser Maximilians I. Waldauf begründete die heute noch bekannte „Waldaufstiftung“.

4 AGRAMSGASSE

Hier wurden bäuerliche Produkte zum Kauf angeboten. Das lateinische Wort „agrumen“ bedeutet Feldfrüchte.

5 ARBESGASSE

Arbes ist die alte Bezeichnung für Erbsen. Der Name weist darauf hin, dass hier ebenso Feldfrüchte feilgeboten  wurden.

6 EUGENSTRASSE

Benannt nach Erzherzog Eugen, der als Landeskommandant in Tirol 1900 Hall besuchte. Der frühere Namen lautete wegen der Badeanstalt „Badgasse“.

7 GUARINONIGASSE

Der Name erinnert an den berühmten Stadtarzt und Universalgelehrten Hippolyt Guarinoni (1571 – 1654). Er war maßgeblich am Bau der Karlskirche in Volders beteiligt.

8 KRIPPGASSE

Der Name geht auf die Ratsherrenfamilie Kripp zurück.

9 MUSTERGASSE

In dieser Gasse fand die Musterung der Soldaten statt.

10 SCHERGENTORGASSE

Durch das Schergentor wurden die auf ihre Hinrichtung wartenden Verurteilten geführt. Eine schaurige Vorstellung, findet ihr nicht?

11 SCHLOSSERGASSE

Die Schlossergasse ist ebenso wie die Schmiedgasse nach der alten Zunft benannt.

12 WALLPACHGASSE

Ursprünglich Salz- bzw. Solegasse, das Solerohr aus dem Halltal passierte hier die Altstadt. Ab Ende des 16. Jahrhunderts wurde sie bereits nach einer der Familien, die hier ihre Stadthäuser hatten benannt: Der Familie Wallpach.

Wenn ihr jetzt durch die Altstadt von Hall mit ihren malerischen Gassen bummelt, dann seht ihr sicher das eine oder andere Detail, dass euch vorher verborgen gewesen ist! Ihr wollt noch mehr wissen? Die zahlreichen Themenführungen des Tourismusverbands kann man hier buchen.

 

Häusergeschichten aus Hall in Tirol

Die Altstadt von Hall in Tirol ist vielen bekannt: Mit ihren verwinkelten Gassen, den kunstvollen Statuen, die die Plätze schmücken, den alten Torbögen – hier erlebt man Mittelalter-Romantik pur!

Besondere Schmuckstücke sind die prächtigen Altstadthäuser, oft mehrere hundert Jahre alt. Ich möchte euch jetzt einiges über diese Häuser näher bringen.

Wir begeben uns auf den Oberen Stadtplatz  – dem Hauptplatz von Hall. Von jedem Blickwinkel aus gibt es die verschiedensten Eindrücke. Häuserfassaden, Dachlandschaften, Berge im Hintergrund sowie die mächtige Stadtpfarrkirche St. Nikolaus. Die bedeutendsten Häuser am Stadtplatz erzählen euch ihre interessanten Geschichten – das Rathaus früheres Königshaus, das Rosenhaus, das Stubenhaus, das Fürstenhaus sowie das Gasthaus Goldener Löwe.

Das Haller Rathaus

Mit dem steilen Dach, der zinnenbewehrten Mauer und den rot-weiß-roten Fensterläden sticht das Rathaus allen BesucherInnen ins Auge. Es wurde Anfang des 14. Jahrhunderts von Herzog Heinrich von Görz und Tirol, dem Vater von Margareta Maultasch, als Stadtresidenz der Landesfürsten für ihre Aufenthalte in Nordtirol errichtet. Heinrich, welcher mit Anna von Böhmen verheiratet war, wurde 1307 als König von Böhmen gekrönt. Daher stammt die Bezeichnung Königshaus.

Die Tiroler Grafen starben aus, die habsburgischen Landesfürsten kamen an die Macht. Da sich diese nur selten im Land aufhielten verlor die Residenz stark an Bedeutung. 1406 schenkte der Landesfürst Leopold IV. der Stadt Hall das Königshaus mit samt dem dahinterliegenden Baumgarten (später Marktplatz) mit der Auflage – beides  – Königshaus wie Garten für die Stadt zu nutzen. Seither dient das Königshaus als Rathaus. Sein heutiges Aussehen geht auf das Jahr 1447 zurück, nach dem großen Stadtbrand wurde es im jetzigen Grundriss wieder aufgebaut. Aus dieser Zeit stammt auch das wunderbare Gebälk in der Ratsstube, die heute nicht nur dem Gemeinderat für seine Sitzungen dient, sondern auch ein sehr beliebter Trauungssaal ist.

Das Rosenhaus

Welch lieblicher Name für ein Gebäude! Im 15. Jahrhundert gelangte das Rosenhaus in den Besitz der Familie Kripp-Freudeneck, der ältesten nachweisbaren Bürgerfamilie. Das barocke Wirtshausschild der „Goldenen Rose“ zeugt noch vom ehemaligen Rosenwirtshaus. Heute dient es den BürgerInnen von Hall in Tirol als Stadtamt.

Das Stubenhaus

Im Stubenhaus befanden sich schon im Mittelalter gut besuchte bürgerliche Trinkstuben. In diesen Trinkstuben trafen sich auch die Mitglieder der „Stubengesellschaft“, die Ritter Florian Waldauf im Jahr 1508 gegründet hat. Die Stubengesellschaft besteht heute noch – als rühriger Kulturverein mit reichem Bildungsangebot. Im ebenerdigen Gewölbe des Hauses war vom 17. Jahrhundert bis 1895 die Haller Stadtapotheke untergebracht.

Das Fürstenhaus – Ehemalige “Schmalzwaage”

Erzherzog Ferdinand II. verlegte 1567 die Münzprägestätte vom Ansitz Sparberegg in die Burg Hasegg. Bis zu dieser Zeit diente die Burg den Landesfürsten als Haller Residenz. Um 1590 begann der Landesfürst mit der Errichtung einer neuen landesfürstlichen Unterkunft am Oberen Stadtplatz. Er erwarb mehrere Häuser und ließ diese zum „Großen und Kleinen Fürstenhaus“ und zum „Fürstenhäusl“ ausbauen. Ferdinand II. starb 1595,  kurz nach der Fertigstellung des Fürstenhauses. Seine Witwe verkaufte das Haus mit sämtlichen Nebengebäuden.

Das „Große Fürstenhaus“ – heute Oberer Stadtplatz 6, kam zwar bald wieder in landesfürstlichen Besitz, wurde aber kaum mehr als Residenz benutzt. Das Erdbeben 1670 hinterließ große Schäden, Mitte des 18.Jahrhunderts wurde es umgebaut und diente unter der Bezeichnung “Schmalzwaage” als Lager und Ausgabestelle für das Butterschmalz, das den Salinen- und Bergarbeitern als Deputat zugewiesen wurde. Heute befindet sich darin die Eisenwarenhandlung Waltl, welche die Haller mit Haushaltsartikeln aller Art versorgt.

Gasthof Goldener Löwe

Der „Goldene Löwe“ war von 1952 bis 1967 bekannt für seine Künstlerbälle. Die zahlreichen Gäste zu diesen Künstlerbällen kamen nicht nur aus Österreich, auch aus München, Wien und der Toskana. Die Bälle fanden über 4 Etagen verteilt, mit rund 500 Gästen statt. Die Musik und Dekoration waren auf das jeweilige Thema abgestimmt und wurden von Prof. Rehm mit seinen Künstlern selbst arrangiert. Das Motto des Künstlerballs 1967 war „Kunstpause“, ein treffender Titel, denn dies war der letzte Künstlerball beim „Goldenen Löwen“ und auch die letzte Benützung der Gaststuben.

Heute ist der Goldene Löwe ein weitum bekanntes Lokal, das viele regionale Spezialitäten auf der Speisekarte führt – auch selten gesehene Delikatessen wie Innereien oder Schweinskopf gibt es manchmal.