Hall erzählt Geschichte(n) – Teil I

Hall ist etwas ganz Besonderes. Das wissen alle, die hier wohnen, und wohl auch jeder, der schon einmal eine Fuß innerhalb der historischen Stadtmauern gesetzt haben. Die Stadt ist nicht nur Einkaufsparadies für all jene, die Einkaufszentren trotzen und kleine Geschäfte bevorzugen und fördern – bei weitem nicht! Hall erzählt Geschichte(n). Auf einem Rundgang durch die Stadt kann diesen Geschichten und Anekdoten besonders gut nachgespürt werden.

Unser Stadtrundgang beginnt…

Vom Unteren Stadtplatz zum Münzerturm

Idealer Ausgangspunkt für einen abendlichen Rundgang ist das Tourismusbüro am Unteren Stadtplatz 19. Im Eingangsbereich des gläsernen Kubus liegen Stadtpläne zur allgemeinen Orientierung für Nicht-Ortskundige auf.

Gleich hier geht´s los! Der Münzerturm, Halls Wahrzeichen leuchtet schon von Weitem. Der markante, zwölfeckige, 45 Meter hohe Turm überstrahlt das ehemalige Salinenareal. Hier, beim ehemaligen „Pfannhauseck“ (Burg Hasegg) wurde jahrhundertelang Sole versotten, zuerst in frei stehenden Pfannen, dann in Sud- oder Pfannhäusern, zuletzt im heutigen Medienturm, wo sich bis zur Stilllegung des Bergbaus im nahegelegenen Halltal (1967) eine Thermokompressionsanlage befand.

Das mit Wasser im Halltal gelaugte Salz wurde als gesättigte Sole vom Berg ins Tal geleitet, floss durch eine fast 10km lange Holzrohrleitung nach Hall, um in der Saline verkocht bzw. -sotten zu werden. Unmengen an Holz wurden aus dem Oberinntal nach Hall getriftet, im Holzrechen (seit 1307) aufgefangen und zu den Pfannen bzw. später Pfannhäusern verbracht. Noch heute werden die Stadtteile westlich und östlich des Rechens, dessen Reste gerade jetzt in der Winterzeit im Inn zu sehen sind, Obere und Untere Lend (ursprünglic “Lände”) genannt.

Im 19. Jahrhundert sollte Holz als wichtigster Engergielieferant durch Kohle aus Bad Häring abgelöst werden. Im 20. Jahrhundert wurde die Versiedung dann elektrifiziert (s.o.).

Hall erzählt Geschichten – Unsere erste Geschichte:

Der Sage nach haben Jäger im Halltal vor rund 700 Jahren beobachtet, dass das Rotwild, welches seinen Durst in Lachen rund um den Wildanger löschte, besonders gut gedieh. Als die Waidmänner einmal das Lagerfeuer mit Quellsole aus eben diesen Lachen löschten und die funkelnden Salzkristalle auf den die Feuerstelle umgebenden Steinen sahen, wurden sie neugierig. So wurden schon im 13. Jahrhundert unter der fachmännischer Leitung von Ritter Nikolaus von Rohrbach erste Stollen in den Wildanger vorgetrieben. Und es wurde Salz entdeckt, das man später das “Weiße Gold” nannte. Es sollte der Stadt Hall großen Reichtum bescheren.

Der Münzerturm

In der Münze Hall wureder der erste Taler der Welt geprägt – und zwar im Jahr 1486. Eine Großsilbermünze aus Schwazer Silber, die um die Welt gehen sollte. Auch heutzuage kann man hier tagsüber der Vergangenheit nachspüren und im gleich mehrfach ausgezeichneten Museum Münze Hall eine spannende Zeit verbringen. Ein Erlebnis für Alt und Jung!

Weiter geht es südlich des Münzerturms über das Münzertor in den Innenhof der Burg Hasegg. Sie wurde im 15. Jahrhundert unter den Habsburgern zu einer geschlossenen Befestigungsanlage ausgebaut. Noch heute erinnert der qualitätvolle Wappenstein über dem Münzertor an Sigmund den Münzreichen. Er war im Wesentlichen für den Ausbau der Anlage im Jahre 1489 verantwortlich. Außerdem wurde kein geringerer als der Hofsteinmetz der Habsburger, Niklas Türing, für die Ausführung des aus Sandstein gefertigten Wappensteines beauftragt. Der Blick durch Halls noch einzig erhaltenes Stadttor auf den Turm der Pfarrkirche St. Nikolaus und das Karwendel im Hintergrund ist atemberaubend! Bei Tag sowie bei Nacht.

Hall erzählt Geschichte(n): Unsere zweite Geschichte

Der Heilige Johannes Nepomuk

In einer Wandnische, die sich auf der Nordseite des Innenhofs befindet, treffen wir auf einen Heiligen, der hierzulande omnipräsent ist. Wer kennt ihn nicht, den Heiligen mit Birett, Hermelinschultermantel und Kreuz in der Hand? Weiter hat er meist einen Zeigefinger auf seine Lippen gelegt. Johannes Nepomuk wird spätestens seit seiner Heiligsprechung 1729 als Schutzpatron der Brücken und der Schifffahrt verehrt. Im Alter von nur 43 Jahren musste Johannes Nepomuk sein Leben lassen. Er wurde im Auftrag König Wenzels gefoltert und von der Karlsbrücke in Prag in die Moldau gestürzt, und das nur, weil er das Beichtgeheimins gewahrt hatte, die Beichte der Königin und Gemahlin Wenzels hatte er für sich behalten, deshalb auch der Fingerzeig. Fünf Lichter sollen das Haupt des im Fluss treibenden Leichnams umgeben haben, ein Symbol für das lateinische TACUI (fünf Buchstaben): „Ich habe geschwiegen“.

Der Prager Dichter Rainer Maria Rilke schrieb:

„… Aber diese Nepomuken!
Von des Torgangs Luken gucken
und auf allen Brucken spuken
lauter, lauter Nepomuken!”

Der in Pomuk im heutigen Tschechien geborene Jurist und Generalvikar und damit hohe kirchliche Würdenträger im Prag des 14. Jahrhunderts ist in Hall allgegenwärtig. Wertvolle Fresken Josef Adam Mölks in Johannes- und Pfarrkirche und die Nepomukkapelle in der Unteren Lend am Inn, weiter der einzige steinerne Altar der Haller Pfarrkirche (südliches Seitenschiff) rufen uns die Bedeutung des Heiligen stets in Erinnerung. Außerdem stellen sie einen unmittelbaren Bezug zur Haller Geschichte her. Viele Jahrhunderte hindurch war Hall Schauplatz von Überschwemmungen zur Zeit der Schneeschmelze. Erst die Errichtung eines Dammes am Nordufer des Inn (1950er Jahre) sollte die Stadt vor weiteren Hochwassergefahren und Überschwemmungen bewahren.

Schon bald gibt es weitere Geschichten und Anekdoten: Unser Spaziergang führt uns weiter von der Burg Hasegg zum Stiftsplatz. Dann erfahren wir zum Beispiel mehr über das Schweizer Christkindl und seine magische Ausstrahlung.

Herzgluat: Alte Weihnachtstradition versus Popmusik

Herzgluat – junge Erfolgsband aus Tirol mit traditionellen Werten

Mutter Sonja und ihre drei erwachsenen Kinder Tabea, Jakob und Nora-Marie von der Tiroler Band Herzgluat sind auf Erfolgskurs. Im Frühjahr 2020 haben sie ihre erste CD unter dem Titel „Mei Zeit“ veröffentlicht und jetzt ein ganz besonderes Weihnachtslied zum alten Brauch der Rauhnächte. Dass vermehrt junge Menschen auf alte Traditionen wert legen und diese auch aktiv gestalten, berührt mich sehr. Viele von uns fühlen auf eine ganz persönliche Weise, dass die Zeit zwischen Weihnachten und Dreikönig eine andere Zeit ist. Sei es, weil man mehr zu Hause ist und die Zeit mit Familie und Freunden genießt. Wir fühlen uns irgendwie „weihnachtlich“ und jeder von uns hat gewisse Rituale, die Halt geben. So ähnlich erging es unseren Vorfahren. Sie konnten sich nun von der Arbeit ausruhen, saßen zusammen in den warmen Stuben und erzählten sich Geschichten und Märchen.

Wie das Lied “Rauhnacht” entstanden ist und warum das Video ausgerechnet in der charmanten Altstadt von Hall gedreht wurde, verrät mir Sonja in einem Interview.

Sonja, kannst du uns mehr über die Idee zu eurem neuen Lied Rauhnacht erzählen?

Ganz zu Beginn der Entstehung des Titels „Rauhnacht“ stand ein Gefühl.
Nämlich das Gefühl einer undefinierbaren, fast mystischen Ruhe, welches  sich durch die verschärfenden Corona-Maßnahmen ganz tief drinnen eingestellt hatte. So entstanden zunächst die ersten Zeilen des Liedes. Aber schon bald wurde uns klar, dass unser Bedürfnis weiter reichte, als mit dem entstehenden Lied nur diese „neue Stille“ zu beschreiben. Die Sehnsucht nach dem Neuen, das hinter dem Ganzen bereits wartet und die Chance, diese Ruhe positiv zu nutzen, wurde dann der eigentliche Motor zu diesem Titel.
Die Rauhnächte stehen genau für diese Sehnsüchte: Die Sehnsucht nach Erneuerung, die „alten Geister vertreiben“, die uns in unserem Fortkommen behindern und den Blick auf das Kommende gerichtet halten. Von jeher haben die Menschen diese Bräuche und Rituale beim Übergang vom alten in das neue Jahr weitergetragen. Selbiges möchten auch wir mit unserem Lied vermitteln!

Warum hat sich Herzgluat für den Videodreh unsere Altstadt ausgesucht?

Hall ist einzigartig und besitzt einen wunderschönen mittelalterlichen Stadtkern, der in ganz Nordtirol kaum zu finden ist. Da wir mit unserem Video ein Gefühl von Mystik und gleichzeitiger Schönheit vermitteln wollten, erschien uns die Altstadt von Hall sehr passend. Das Video wurde in der Zeit des ersten Lockdowns gedreht. Dadurch konnten wir die Atmosphäre einer völligen Ruhe einfangen. 

Lebt ihr die Rauhnächte aktiv in eurer Familie?

Ja, die Rauhnächte haben in unserer Familie einen wirklichen Stellenwert. Es gibt 3 fixe Tage, an welchen der Weihrauch in unser Familienleben Einzug hält. Das ist zum einen der Heilige Abend. Schon beim Aufstehen und Einheizen des Kachelofens wird an diesem Tag der Weihrauch auf dem Herd verbrannt. Somit wissen alle: Heute ist Heiligabend!
Nach der Bescherung bzw. der Christmette geht die gesamte Familie gemeinsam mit der Weihrauchpfanne durch alle Zimmer des Hauses. Es ist ein Zeichen der Reinigung und Erneuerung in dieser besonderen Nacht.  Am Neujahrstag sowie an Dreikönig (der 6. Jänner ist übrigens der Geburtstag von unserem Sohn Jakob) wird ebenfalls Weihrauch auf dem Herd verbrannt, so dass es im ganzen Haus „himmelet“ – wie es die Kinder, als sie noch klein waren, immer bezeichneten.

Wie wird in eurer Familie das Weihnachtsfest begangen?

Es gibt einige Rituale an Weihnachten, welche in unserer Familie immer gleichbleibend gepflegt werden. Dazu zählt vor allem das Aufstellen der alten Familienkrippe am 23. Dezember. Die Figuren kommen dann im Laufe des Heiligen Abends hinzu. Nur das Christkind wird erst beim gemeinsamen Lesen des Weihnachts-Evangeliums in die Krippe gelegt. Früher, als die Kinder noch klein waren, gab es dazu eine kleine Lichterprozession. Unser Christbaum wird immer erst am frühen Nachmittag geschmückt. Die Stube wird bis zur Bescherung dann nicht mehr betreten. Vor der Bescherung ist das gemeinsame Essen noch ein wichtiger Fixpunkt. Genau wie früher steht bei uns traditionell die Nudelsuppe am Menüplan. Ergänzt wird dies mit kalten Platten.
Und was bei uns natürlich nie fehlen darf, ist die Musik! In den letzten Jahren haben wir vor der Bescherung für die Obdachlosen in Innsbruck Musik gemacht. Es waren eine unserer schönsten und stimmigsten gemeinsamen Weihnachtserfahrungen als Familie! Der Weihnachtsbesuch bei Oma, sowie das traditionelle “Gansl-Essen” sind dann die wesentlichen Elemente des 1. Weihnachtsfeiertages am 25.Dezember.

Gerne hätte ich das Interview persönlich geführt, um noch mehr, über die Familie Baumann und ihre Musik zu erfahren. Es ist schön zu hören, dass es für viele Familien in Tirol noch echte Weihnachtstraditionen gibt, die weit weg sind von Konsum und Hektik sind! Einfach Weihnachten wie es früher war …

Die Rauhnächte – ein alter Tiroler Brauch

Früher war es undenkbar, nicht nach den Regeln der Natur zu leben. Dies spiegeln Brauchtum und Tradition wider. Unsere Kultur ist vom christlichen Glauben geprägt – so auch die Zeit der Rauhnächte zwischen Weihnachten und Dreikönig.

Woher kommt der Name Rauhnacht?

Der Begriff leitet es sich von „rauch“ ab und damit ursprünglich von einem Begriff für „behaart, pelzig, von Fell bedeckt“. Unsere Vorfahren bezogen sich dabei auf die Felle, die die Perchten trugen. Zugleich bezieht sich „rauch“ auf den uralten Brauch des Räuchern, um böse Geister zu vertreiben: Die verschiedenen Harze und Kräutern dafür wurden meistens im Sommer bzw. Herbst gesammelt.

Wann sind die Rauhnächte?

Es gibt unterschiedliche Auffassungen darüber, welche Tage und Nächte tatsächlich die Rauhnächte sind. Meist handelt es sich aber bei den Rauhnächten um die zwölf Weihnachtstage, vom ersten Weihnachtstag (25.12.) bis Dreikönig (6.1.). Nach einer anderen Zählweise beginnen die Rauhnächte bereits am Thomastag (21.12.). Dies ist gleichzeitig die Wintersonnwende und somit der kürzeste Tag des Jahres.

Für die Bauern waren die zwölf Rauhnächte bestimmend für das Wetter der kommenden zwölf Monate. Die wichtigsten Rauhnächte sind:

20./21. Dezember – Thomasnacht

24./25. Dezember –  Heiliger Abend, Christnacht

31. Dezember / 1. Jänner – Silvester

5./6. Jänner – Dreikönig

Begleiten Sie uns 2021/22 auf eine Reise durch diese mystische Zeit zwischen den Jahren. Bei einem Spaziergang durch die Haller Altstadt erfahren Sie mehr über die Rauhnächte, Bräuche, Rituale und Geschichten über die „Wilde Jagd“ und andere Gestalten, die während dieser Zeit ihr Unwesen auf Erden treiben. Gemeinsam erfahren wir bei einem kleinen Räucherseminar im Stiftsgarten, wie sich die Rauhnächte in unserer Zeit leben lassen. Die Termine kommunizieren wir auf unserer Homepage!


Ein Kulturprogramm mit 16 Stationen

Haller Nightseeing

Jährlich findet am Vorabend des Österreichischen Nationalfeiertages das Haller Nightseeing statt. Ein Fixtermin bei vielen Einheimischen und das aus gutem Grund. Man entdeckt bei dem Kulturprogramm der besonderen Art interessante und bis dato unbekannte Schätze, welche einem ansonsten verborgen bleiben. Das heurige Nightseeing am 25. Oktober 2019 findet bereits zum 14. Mal statt. Ein Kulturprogramm mit 16 Stationen, von Kultur bis hin zur Geschichte der größten Altstadt Westösterreichs kann hautnah erleben werden. Neben spannenden Führungen und Inszenierungen, halten auch Geschäfte und gastronomische Betriebe ihre Pforten bis Mitternacht geöffnet.

Preview im Vorfeld

Das Stadtmarketing Hall und der Tourismusverband Region Hall-Wattens laden InhaberInnen und MitarbeiterInnen der Haller Geschäfte jedes Jahr zu einem Preview ein. An diesem Abend bekommt die Kaufmannschaft einen Vorgeschmack auf ausgewählte historische Programmpunkte. Am Tag des Nightseeings selbst, haben sie keine Zeit da sie die Besucher in ihren schmucken Läden empfangen. Heuer wurden zwei ganz besondere Highlights präsentiert. Zum einen die Sonderausstellung der numismatischen Gesellschaft in der Haller Münze zum Thema “Kaiser Maximilian I. – Die Münzen eines Medienkaisers” und zum anderen die Johanneskirche im ehemaligen Salinenareal. Die Kirche ist per se ein barockes Juwel der Stadt, welches seit der kürzlich abgeschlossenen Restaurierung in neuem Glanz erstrahlt.

Johanneskirche Hall – Ein barockes Juwel erstrahlt in neuem Glanz

Vor allem von der Präsentation und Führung in der Kirche war ich überwältigt. Stadtführerin Anita Töchterle-Graber und Restaurator Michael Schretthauser berichteten spannend und im Detail über Baugeschichte und Bildprogramm der qualitätsvollen Fresken von Josef Adam Mölk. Die Ausführungen und bildreichen Erklärung der Arbeiten an Deckenmalerei, Raumschale und Altar erweckten die aufwendige Restaurierung zum Leben.

Wie man ein Fresko restauriert, was dabei zu beachten ist, und was ein Fresko ganz grundsätzlich ist, erklärte Michael Schretthauser anschaulich anhand von seinen Utensilien. Interessant war auch das von ihm selbst nachgestellten Fresko. Anhand der Skizzen und Zeichnungen konnte man nachvollziehen wie viel Arbeit und Zeit der Künstler damals in die heutigen Kunstwerke investiert hatte.

Wer erfahren möchte, weshalb die Johanneskirche früher als “Pfannhauskapelle” bezeichnet wurde und warum Johannes Nepomuk mit seiner abgeschnittenen Zunge in der Hand abgebildet ist, sollte unbedingt an dieser Führung teilnehmen:

Treffpunkt: Johanneskirche, Salinenpark (vis-à-vis Tourismusbüro, Unterer Stadtplatz 19)
Führungen: 17:00 Uhr, 18:00 Uhr und 19:00 Uhr – Dauer: ca. 45 Min.

Interessant ist auch der Umstand, dass die Ausstattung der Kirche mit ihren barocken Fresken eng mit gegenreformatorischen Bestrebungen des Kaiserhauses verbunden war. Für die damalige Zeit und vor allem in der Salzstadt Hall war dies ein entscheidender Punkt. Heute steht die Johanniskirche den Katholiken der evangelischen beziehungsweise der altkatolischen Glaubensgemeinscht zur Verfügung. Von Taufen über Hochzeiten bis hin zu Begräbnissen wurden schon dort zelebriert. Das prunkvolle barocke Juwel soll im komenden Jahr auch teilweise der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Mehr dazu direkt bei den Führungen!

Die Münzen eines Medienkaisers

Nicht nur in der Johanneskirche gab es für mich einiges zu entdecken. Im Anschluss an die Ausführugen der Stadtführerin sowie des Restaurators der Kirche, ging es für die geladene Gesellschaft weiter in das Museum Münze Hall. Dort findet noch bis Mitte Jänner die Sonderausstellung der numismatischen Gesellschaft zum Thema “Kaiser Maximilian I. – Die Münzen eines Medienkaisers” statt. Mehr sei noch nicht verraten!

Das Kulturprogramm 2019

Gleich 16 Stationen laden dieses Jahr beim Nightseeing dazu ein, Kultur und Geschichte der Stadt Hall bei Nacht zu entdecken. Alle Programmpunkte sind kostenlos, keine Anmeldung notwendig.

Schaut vorbei beim Haller Nightseeing und lasst euch begeistern von Halls Geschichte und Geschichten, Besonderheiten und Kuriositäten!

Haller Gassen erzählen ihre Geschichten

Die Stadt Hall in Tirol liegt östlich von Innsbruck und gehört flächenmäßig zu einer der  größten mittelalterlichen Städte Westösterreichs. Die Stadt liegt am Rande eines Schuttkegels, den der Bach aus dem Halltal aufgeschüttet hat. Dies erklärt auch die auffallend steile Geländestufe des historischen Zentrums. Die Stadtentstehung hängt eng mit dem mittelalterlichen Salzbau im Halltal zusammen. Der Name „Hall“ – vom althochdeutschen Wort „hal“ (Salz) weist auf die einstige Salzgewinnung hin und erinnert heute noch an den einst wichtigen Erwerbszweig für den Wohlstand der Stadt.

Die Straßen- und Gassennamen einer Stadt verraten viel über deren einstige Bedeutung.

So ist es auch in Hall: Wenn man durch die alten Gassen schlendert, kommen einem zum Teil recht sonderbare Namen unter. Sie erzählen so manche Geschichten.

1 SALVATORGASSE

Diese Gasse gehört zum ältesten Siedlungskern der Stadt und wurde erst vor ca. hundert Jahren umbenannt. Der ursprüngliche Name „Marktgasse“ war bis 1770 Hauptdurchzugsstraße. Viele Wirtshäuser reihten sich damals aneinander. Das Haus Nr. 14 war das Ballhaus, in dem die Warenballen der Händler eingelagert wurden, um dann Fuhrwerke neu zu beladen. Die nordseitigen Häuser der Gasse reichen bis an die Geländestufe, über Stiegen erreicht man den Pfarrplatz.

2 SCHMIEDGASSE

Diese Gasse ist nach der alten Zunft benannt. Ebenso wie die Salvatorgasse gehört auch die Schmiedgasse zum ältesten Siedlungsgebiet der Stadt. Hier lag eine Schmiede neben der anderen. Für den Durchzugsverkehr waren Hufe neu zu beschlagen oder zum Beispiel auch Räder zu reparieren. In der Schmiedgasse scheint die Zeit stehen geblieben zu sein: Zwischen Häusern mit Erkern, alten Türen und Toren ist immer noch ein bisschen „Mittelalter“ zu spüren.

3 WALDAUFSTRASSE

Der heutige Name Waldaufstrasse geht auf Ritter Florian Waldauf zurück. Er war ein enger Vertrauter und Berater Kaiser Maximilians I. Waldauf begründete die heute noch bekannte „Waldaufstiftung“.

4 AGRAMSGASSE

Hier wurden bäuerliche Produkte zum Kauf angeboten. Das lateinische Wort „agrumen“ bedeutet Feldfrüchte.

5 ARBESGASSE

Arbes ist die alte Bezeichnung für Erbsen. Der Name weist darauf hin, dass hier ebenso Feldfrüchte feilgeboten  wurden.

6 EUGENSTRASSE

Benannt nach Erzherzog Eugen, der als Landeskommandant in Tirol 1900 Hall besuchte. Der frühere Namen lautete wegen der Badeanstalt „Badgasse“.

7 GUARINONIGASSE

Der Name erinnert an den berühmten Stadtarzt und Universalgelehrten Hippolyt Guarinoni (1571 – 1654). Er war maßgeblich am Bau der Karlskirche in Volders beteiligt.

8 KRIPPGASSE

Der Name geht auf die Ratsherrenfamilie Kripp zurück.

9 MUSTERGASSE

In dieser Gasse fand die Musterung der Soldaten statt.

10 SCHERGENTORGASSE

Durch das Schergentor wurden die auf ihre Hinrichtung wartenden Verurteilten geführt. Eine schaurige Vorstellung, findet ihr nicht?

11 SCHLOSSERGASSE

Die Schlossergasse ist ebenso wie die Schmiedgasse nach der alten Zunft benannt.

12 WALLPACHGASSE

Ursprünglich Salz- bzw. Solegasse, das Solerohr aus dem Halltal passierte hier die Altstadt. Ab Ende des 16. Jahrhunderts wurde sie bereits nach einer der Familien, die hier ihre Stadthäuser hatten benannt: Der Familie Wallpach.

Wenn ihr jetzt durch die Altstadt von Hall mit ihren malerischen Gassen bummelt, dann seht ihr sicher das eine oder andere Detail, dass euch vorher verborgen gewesen ist! Ihr wollt noch mehr wissen? Die zahlreichen Themenführungen des Tourismusverbands kann man hier buchen.

 

Häusergeschichten aus Hall in Tirol

Die Altstadt von Hall in Tirol ist vielen bekannt: Mit ihren verwinkelten Gassen, den kunstvollen Statuen, die die Plätze schmücken, den alten Torbögen – hier erlebt man Mittelalter-Romantik pur!

Besondere Schmuckstücke sind die prächtigen Altstadthäuser, oft mehrere hundert Jahre alt. Ich möchte euch jetzt einiges über diese Häuser näher bringen.

Wir begeben uns auf den Oberen Stadtplatz  – dem Hauptplatz von Hall. Von jedem Blickwinkel aus gibt es die verschiedensten Eindrücke. Häuserfassaden, Dachlandschaften, Berge im Hintergrund sowie die mächtige Stadtpfarrkirche St. Nikolaus. Die bedeutendsten Häuser am Stadtplatz erzählen euch ihre interessanten Geschichten – das Rathaus früheres Königshaus, das Rosenhaus, das Stubenhaus, das Fürstenhaus sowie das Gasthaus Goldener Löwe.

Das Haller Rathaus

Mit dem steilen Dach, der zinnenbewehrten Mauer und den rot-weiß-roten Fensterläden sticht das Rathaus allen BesucherInnen ins Auge. Es wurde Anfang des 14. Jahrhunderts von Herzog Heinrich von Görz und Tirol, dem Vater von Margareta Maultasch, als Stadtresidenz der Landesfürsten für ihre Aufenthalte in Nordtirol errichtet. Heinrich, welcher mit Anna von Böhmen verheiratet war, wurde 1307 als König von Böhmen gekrönt. Daher stammt die Bezeichnung Königshaus.

Die Tiroler Grafen starben aus, die habsburgischen Landesfürsten kamen an die Macht. Da sich diese nur selten im Land aufhielten verlor die Residenz stark an Bedeutung. 1406 schenkte der Landesfürst Leopold IV. der Stadt Hall das Königshaus mit samt dem dahinterliegenden Baumgarten (später Marktplatz) mit der Auflage – beides  – Königshaus wie Garten für die Stadt zu nutzen. Seither dient das Königshaus als Rathaus. Sein heutiges Aussehen geht auf das Jahr 1447 zurück, nach dem großen Stadtbrand wurde es im jetzigen Grundriss wieder aufgebaut. Aus dieser Zeit stammt auch das wunderbare Gebälk in der Ratsstube, die heute nicht nur dem Gemeinderat für seine Sitzungen dient, sondern auch ein sehr beliebter Trauungssaal ist.

Das Rosenhaus

Welch lieblicher Name für ein Gebäude! Im 15. Jahrhundert gelangte das Rosenhaus in den Besitz der Familie Kripp-Freudeneck, der ältesten nachweisbaren Bürgerfamilie. Das barocke Wirtshausschild der „Goldenen Rose“ zeugt noch vom ehemaligen Rosenwirtshaus. Heute dient es den BürgerInnen von Hall in Tirol als Stadtamt.

Das Stubenhaus

Im Stubenhaus befanden sich schon im Mittelalter gut besuchte bürgerliche Trinkstuben. In diesen Trinkstuben trafen sich auch die Mitglieder der „Stubengesellschaft“, die Ritter Florian Waldauf im Jahr 1508 gegründet hat. Die Stubengesellschaft besteht heute noch – als rühriger Kulturverein mit reichem Bildungsangebot. Im ebenerdigen Gewölbe des Hauses war vom 17. Jahrhundert bis 1895 die Haller Stadtapotheke untergebracht.

Das Fürstenhaus – Ehemalige “Schmalzwaage”

Erzherzog Ferdinand II. verlegte 1567 die Münzprägestätte vom Ansitz Sparberegg in die Burg Hasegg. Bis zu dieser Zeit diente die Burg den Landesfürsten als Haller Residenz. Um 1590 begann der Landesfürst mit der Errichtung einer neuen landesfürstlichen Unterkunft am Oberen Stadtplatz. Er erwarb mehrere Häuser und ließ diese zum „Großen und Kleinen Fürstenhaus“ und zum „Fürstenhäusl“ ausbauen. Ferdinand II. starb 1595,  kurz nach der Fertigstellung des Fürstenhauses. Seine Witwe verkaufte das Haus mit sämtlichen Nebengebäuden.

Das „Große Fürstenhaus“ – heute Oberer Stadtplatz 6, kam zwar bald wieder in landesfürstlichen Besitz, wurde aber kaum mehr als Residenz benutzt. Das Erdbeben 1670 hinterließ große Schäden, Mitte des 18.Jahrhunderts wurde es umgebaut und diente unter der Bezeichnung “Schmalzwaage” als Lager und Ausgabestelle für das Butterschmalz, das den Salinen- und Bergarbeitern als Deputat zugewiesen wurde. Heute befindet sich darin die Eisenwarenhandlung Waltl, welche die Haller mit Haushaltsartikeln aller Art versorgt.

Gasthof Goldener Löwe

Der „Goldene Löwe“ war von 1952 bis 1967 bekannt für seine Künstlerbälle. Die zahlreichen Gäste zu diesen Künstlerbällen kamen nicht nur aus Österreich, auch aus München, Wien und der Toskana. Die Bälle fanden über 4 Etagen verteilt, mit rund 500 Gästen statt. Die Musik und Dekoration waren auf das jeweilige Thema abgestimmt und wurden von Prof. Rehm mit seinen Künstlern selbst arrangiert. Das Motto des Künstlerballs 1967 war „Kunstpause“, ein treffender Titel, denn dies war der letzte Künstlerball beim „Goldenen Löwen“ und auch die letzte Benützung der Gaststuben.

Heute ist der Goldene Löwe ein weitum bekanntes Lokal, das viele regionale Spezialitäten auf der Speisekarte führt – auch selten gesehene Delikatessen wie Innereien oder Schweinskopf gibt es manchmal.